Mehr als 1.400 Tote in Venezuela

Drei Tage nach den schweren Erdbeben in Venezuela läuft die Suche nach Überlebenden unter schwierigsten Bedingungen weiter. Während Einsatzkräfte immer wieder Menschen lebend aus den Trümmern retten, wächst die Zahl der Todesopfer weiter an. Nach offiziellen Angaben kamen bislang 1.430 Menschen ums Leben, mehr als 3.200 weitere wurden verletzt. Tausende gelten weiterhin als vermisst und werden unter den eingestürzten Gebäuden vermutet. Mit jeder verstrichenen Stunde sinken die Chancen, noch Überlebende zu finden. Dennoch setzen nationale und internationale Rettungsteams ihre Suche rund um die Uhr fort.

Spektakuläre Rettungen geben Hoffnung

Immer wieder gelingen den Einsatzkräften dramatische Rettungsaktionen. Videos aus den Katastrophengebieten zeigen Helfer, die sich durch enge Spalten zwischen eingestürzten Gebäuden zwängen, um Verschüttete zu erreichen. Dabei konnten bereits Babys, Kinder und Erwachsene lebend gerettet werden. Besonders bewegend verlief die Rettung eines elfjährigen Jungen im Bundesstaat La Guaira. Ein kolumbianisches Spezialteam befreite das Kind nach einem rund sechsstündigen Einsatz aus den Trümmern. Auch Rettungskräfte aus El Salvador, Ecuador und Spanien berichten von erfolgreichen Bergungsaktionen.

Zehntausende Helfer im Großeinsatz

Nach Angaben des Präsidenten der Nationalversammlung, Jorge Rodríguez, sind inzwischen rund 30.000 venezolanische Einsatzkräfte im Katastrophengebiet aktiv. Neben Feuerwehr, Polizei und Rettungsdiensten unterstützen auch Ärzte und Psychologen die betroffenen Menschen. Zusätzliche Hilfe kommt aus dem Ausland. Mehr als 2.200 Spezialisten aus 21 Staaten beteiligen sich an der internationalen Rettungsmission. Ihr Schwerpunkt liegt auf der Suche nach Verschütteten sowie der medizinischen Versorgung der Überlebenden.

Deutsche Rettungsteams verstärken internationale Hilfe

Auch Deutschland beteiligt sich an den Hilfsmaßnahmen. Ein 48-köpfiges Team des Technischen Hilfswerks (THW) unterstützt bereits die Rettungsarbeiten vor Ort. Zusätzlich entsandte die Hilfsorganisation @fire – Internationaler Katastrophenschutz Deutschland ein sogenanntes Light-USAR-Team (Urban Search and Rescue) nach Venezuela. Die speziell ausgebildeten Experten sollen die internationale Suche nach Verschütteten verstärken. Finanziert wird der Einsatz durch das Auswärtige Amt.

Bereits kurz nach der Katastrophe reiste ein Vorausteam gemeinsam mit Kräften von REDOG Schweiz, ISAR Germany und dem THW nach Venezuela, um die Lage zu erkunden und den Einsatz weiterer Rettungskräfte vorzubereiten. Wenig später folgte das eigentliche Such- und Rettungsteam mit 24 ehrenamtlichen Einsatzkräften und drei speziell ausgebildeten Rettungshunden. Der Transport erfolgte mit einem Airbus A400M der Bundeswehr.

Spezialisten aus ganz Deutschland im Einsatz

Die Mitglieder des @fire-Teams stammen aus zahlreichen Bundesländern und verfügen über umfangreiche Erfahrungen bei internationalen Katastropheneinsätzen. Unterstützt werden sie von einem Heimatstab in Deutschland, der Logistik, Kommunikation und Einsatzkoordination übernimmt. Vor Ort arbeiten die deutschen Experten eng mit internationalen Partnerorganisationen sowie der INSARAG-Koordinierung der Vereinten Nationen zusammen. Ziel ist es, die Suche nach Überlebenden möglichst effizient zu organisieren und vorhandene Ressourcen optimal einzusetzen.

Hunderte Nachbeben erschweren die Rettungsarbeiten

Die beiden schweren Erdbeben der Stärke 7,2 und 7,5 hatten die Region nahe San Felipe in der Nacht zum Donnerstag erschüttert. Seitdem registrierten die Behörden bereits rund 430 Nachbeben. Vor allem die Hauptstadt Caracas wurde schwer getroffen. Zahlreiche Gebäude stürzten ein, Straßen wurden beschädigt und wichtige Kommunikationsverbindungen fielen aus. Auch Flughäfen und weitere Teile der Infrastruktur wurden in Mitleidenschaft gezogen, wodurch die Anreise internationaler Hilfsteams erheblich erschwert wird.

Gleichzeitig unterstützen die Behörden nach eigenen Angaben inzwischen mehr als 70.000 betroffene Familien mit Notunterkünften, medizinischer Versorgung und Hilfsgütern. Während die Rettungsarbeiten weiterlaufen, richtet sich der Blick zunehmend auch auf den langfristigen Wiederaufbau der zerstörten Regionen.

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