Die Lage zwischen Kuba und den USA verschärft sich weiter: Angesichts wachsender Spannungen bereitet sich die Führung in Kuba nach eigenen Angaben auf ein mögliches militärisches Szenario vor. Der kubanische Vizeaußenminister Carlos Fernández de Cossio erklärte in einem Interview, es wäre „naiv“, eine militärische Aggression der Vereinigten Staaten auszuschließen.
Hintergrund sind jüngste Äußerungen von US-Präsident Donald Trump, der eine mögliche „Übernahme“ des sozialistischen Inselstaates angedeutet hatte. In Havanna stoßen diese Aussagen auf scharfe Ablehnung. Kuba werde seine Souveränität unter keinen Umständen aufgeben und sich nicht zu einem abhängigen Staat machen lassen, betonte Fernández de Cossio. Das Militär sei grundsätzlich auf eine Verteidigung vorbereitet – aktuell würden entsprechende Maßnahmen intensiviert.
Parallel verschärft sich die ohnehin angespannte innenpolitische Lage. Nach einem erneuten landesweiten Stromausfall meldete die Regierung unter Manuel Marrero Cruz zwar die vollständige Wiederherstellung des Stromnetzes, warnte jedoch vor anhaltenden Engpässen. Die Energieversorgung bleibt fragil, da das veraltete Stromsystem anfällig für Ausfälle ist. Der jüngste Blackout wurde durch den Ausfall eines Kraftwerkblocks ausgelöst, der eine Kettenreaktion im Netz verursachte.
Die Energiekrise ist Teil einer umfassenderen wirtschaftlichen Notlage. Kuba leidet unter massiven Versorgungsproblemen, insbesondere bei Lebensmitteln und Medikamenten. Verschärft wird die Situation durch den Ausfall von Öllieferungen aus Venezuela, das traditionell ein enger Verbündeter war. Nach der Festnahme von Venezuelas Präsident Nicolás Maduro im Zuge einer US-Militärintervention Anfang des Jahres sind die Lieferungen praktisch zum Erliegen gekommen.
Gleichzeitig übt Washington Druck auf Drittstaaten aus, keine Energieexporte nach Kuba zu liefern. Trotz teilweise gelockerter Sanktionen gegen Russland gelten diese Einschränkungen für Lieferungen nach Kuba weiterhin strikt.
Dennoch scheint Moskau bereit, einzuspringen. Der Kreml kündigte Gespräche über mögliche Unterstützungsmaßnahmen an. Nach Angaben von Schiffsbeobachtern sind bereits Tanker mit russischem Diesel und Rohöl auf dem Weg nach Kuba. Diese Lieferungen könnten kurzfristig zur Stabilisierung der Energieversorgung beitragen – politisch jedoch die Fronten weiter verhärten.
Die Entwicklungen zeigen: Kuba steht gleichzeitig vor einer innenpolitischen Krise und wachsendem außenpolitischem Druck. Die Kombination aus wirtschaftlicher Not, geopolitischer Konfrontation und militärischer Drohkulisse erhöht das Risiko einer weiteren Eskalation in der Region erheblich.


