Kampfjets dürfen Tiefflüge über Deutschland üben

Bonn. Die Bundeswehr verschärft angesichts der angespannten Sicherheitslage in Europa ihre Ausbildungsprogramme – und setzt dabei wieder verstärkt auf Tiefflugübungen. Nach jahrelanger Pause dürfen Kampfjets der Luftwaffe erneut bis auf rund 75 Meter über dem Boden herabgehen. Damit kehrt ein Trainingsmodus zurück, der laut Bundeswehr unverzichtbar ist, zugleich jedoch vielerorts für Unmut sorgen dürfte.

Wie die Luftwaffe mitteilte, wurden sieben ausgewiesene Regionen in Deutschland festgelegt, in denen die Jets für kurze Zeit – maximal zwei Minuten – auf nur 250 Fuß über Grund sinken dürfen. Die Regierung betont, man versuche die unvermeidlichen zusätzlichen Lärmbelastungen so weit wie möglich zu begrenzen. Doch die Übungen werden vor allem im Norden und in der Mitte Deutschlands zu hören sein: Die Gebiete reichen über Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Niedersachsen bis nach Nordrhein-Westfalen, Hessen, Baden-Württemberg und Bayern.

Die Bundeswehr begründet den Schritt mit der veränderten sicherheitspolitischen Lage seit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Tiefflug sei eine grundlegende Fähigkeit moderner Luftkriegsführung, heißt es. Nur im extrem niedrigen Höhenprofil könnten Piloten gegnerischen Radaraugen entgehen, „Gelände-Schatten“ für das sogenannte Terrain Masking nutzen und die Reichweite feindlicher Luftabwehrsysteme verkürzen. Komplexe Einsätze mit Tornado und Eurofighter sowie die enge Zusammenarbeit mit Bodentruppen erforderten deshalb regelmäßige Niedrigflugpraxis.

Gleichzeitig stellt die Luftwaffe klar: Die besonders tiefen Übungszonen bis 250 Fuß bleiben ausschließlich deutschen Kampfjets vorbehalten. Verbündete dürfen dort nicht trainieren. Im übrigen deutschen Tiefflugraum gilt weiterhin eine Mindesthöhe von 500 Fuß. Diese Beschränkungen wurden allerdings bereits im Juli gelockert – seitdem können die Jets dort ohne zeitliche Limitierung fliegen.

Trotz aller Rücksichtnahme müsse die Bevölkerung daher mit einer merklich höheren Wahrnehmung der Übungsflüge rechnen, räumt die Bundeswehr ein. Doch die Streitkräfte beharren darauf, dass die Manöver für die Einsatzbereitschaft unabdingbar sind. Die Devise laute, so viel Lärm wie nötig – aber so wenig wie möglich.

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