Wiesbaden. Deutschlands Spargelbranche steckt zunehmend in einer strukturellen Krise. Neue Zahlen des Statistisches Bundesamt zeigen einen anhaltenden Abwärtstrend bei Erntemengen, Anbauflächen und vor allem bei der Zahl der Betriebe. Besonders kleinere Höfe geraten dabei immer stärker unter Druck – viele geben den traditionellen Spargelanbau ganz auf.
Im Jahr 2025 wurden bundesweit nur noch 103.900 Tonnen Spargel geerntet. Das entspricht einem Rückgang von knapp vier Prozent gegenüber dem Vorjahr und sogar einem Minus von 8,5 Prozent im Vergleich zu 2015. Parallel dazu schrumpft die Anbaufläche kontinuierlich: Mit 22.500 Hektar lag sie 2025 erneut unter dem Niveau der Vorjahre und deutlich unter dem Stand von vor zehn Jahren.
Noch drastischer fällt die Entwicklung bei den Betrieben aus. Innerhalb eines Jahrzehnts ist ihre Zahl um fast ein Drittel eingebrochen – von rund 1.900 im Jahr 2015 auf nur noch etwa 1.350 im Jahr 2025. Diese Entwicklung deutet auf einen tiefgreifenden Strukturwandel hin: Während größere Betriebe ihre Produktion teilweise stabilisieren können, verschwinden kleinere Anbieter zunehmend vom Markt.
Regional konzentriert sich der Spargelanbau weiterhin auf wenige Schwerpunkte. Die meisten Betriebe befinden sich in Bayern, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg. Die größten Anbauflächen liegen hingegen in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Brandenburg – Regionen, die traditionell als Hochburgen des Spargelanbaus gelten.
Gleichzeitig steigt der Druck durch Importe. Im Jahr 2025 wurden rund 24.500 Tonnen Spargel nach Deutschland eingeführt – etwa ein Viertel der heimischen Produktion. Besonders bemerkenswert: Der Großteil dieser Importe fällt genau in die deutsche Spargelsaison zwischen März und Juni. Für viele heimische Erzeuger verschärft das die Wettbewerbssituation erheblich.
Die wichtigsten Herkunftsländer sind Spanien, Mexiko und Griechenland, die zusammen einen großen Teil des importierten Spargels liefern. Diese Anbieter profitieren häufig von günstigeren Produktionsbedingungen und niedrigeren Kosten – ein Vorteil, mit dem viele deutsche Betriebe kaum konkurrieren können.
Die Zahlen machen deutlich: Der Spargel, lange Zeit ein Symbol regionaler Landwirtschaft und saisonaler Küche, wird zunehmend zum wirtschaftlichen Problemfall. Ohne strukturelle Anpassungen oder politische Unterstützung könnte sich der Rückgang weiter beschleunigen – mit Folgen für Betriebe, Beschäftigte und Verbraucher gleichermaßen.


