Ein spektakulärer Hackerangriff hat das iranische Staatsfernsehen erschüttert und die angespannte Lage im Land weiter verschärft. Unbekannte Angreifer störten am Sonntagabend die Satellitenübertragung mehrerer Kanäle des staatlichen Rundfunks Islamic Republic of Iran Broadcasting (IRIB) und spielten Botschaften des im Exil lebenden Kronprinzen Reza Pahlavi ein. Das berichtet die Nachrichtenagentur AP.
In der manipulierten Sendung wandte sich Pahlavi direkt an die iranischen Sicherheitskräfte. Er appellierte an Soldaten und Polizisten, ihre Waffen nicht länger gegen die eigene Bevölkerung zu richten. „Sie sind die nationale Armee Irans, nicht die Armee der Islamischen Republik“, soll Pahlavi gesagt haben. Ihre Pflicht sei es, Leben zu schützen. Zugleich mahnte er zur Eile und forderte das Militär auf, sich dem Volk anzuschließen und die Waffen niederzulegen.
Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Fars kam es infolge des Angriffs in mehreren Regionen des Landes zu kurzfristigen Signalstörungen. Das Büro des Kronprinzen bestätigte, dass die Botschaften tatsächlich ausgestrahlt wurden, machte jedoch keine Angaben dazu, wie der Hackerangriff technisch umgesetzt wurde oder wer dahintersteckt.
Der Vorfall ereignet sich inmitten anhaltender Massenproteste gegen das iranische Regime, die von Sicherheitskräften mit harter Gewalt beantwortet werden. Gleichzeitig versucht die Führung in Teheran, den Informationsfluss durch Internetblockaden einzudämmen. Menschenrechtsorganisationen zeichnen jedoch ein dramatisches Bild der Lage: Nach Angaben der Human Rights Activists News Agency sind bislang mindestens 3.919 Menschen bei den Protesten getötet worden. Die tatsächliche Zahl könnte deutlich höher liegen.
Bemerkenswert ist, dass auch Irans oberster Führer Ali Khamenei inzwischen von „mehreren tausend“ Todesopfern spricht. In einer Stellungnahme machte er die USA für die Unruhen verantwortlich und wies jede Verantwortung des Regimes zurück.
Der Hackerangriff auf das Staatsfernsehen gilt als schwerer symbolischer Schlag gegen die iranische Führung. Dass ausgerechnet über die offiziellen Kanäle des Regimes ein Aufruf zum Widerstand verbreitet wurde, unterstreicht die wachsende Verwundbarkeit der Machtstrukturen in Teheran – und zeigt, dass der Konflikt längst auch im digitalen Raum eskaliert ist.


