Frankfurt (Main). Frankfurt am Main steht beim Bevölkerungsschutz vor einer sicherheitspolitischen Aufholjagd. Während andere Städte längst wieder flächendeckend auf Sirenen setzen, verfügt Hessens größte und am dichtesten besiedelte Stadt derzeit gerade einmal über etwas mehr als ein Dutzend funktionierender Anlagen – und das fast ausschließlich rund um die Industrieparks Höchst und Fechenheim. Für große Teile des Stadtgebiets bedeutet das: Auch beim nächsten landesweiten Warntag im März wird es still bleiben.
Diese Lücke soll nun geschlossen werden. Innenminister Roman Poseck (CDU) übergab in der Zentrale der Frankfurter Feuerwehr einen Förderbescheid über 765.000 Euro an Oberbürgermeister Mike Josef (SPD). Das Geld ist Teil eines umfassenden Programms zum Neuaufbau eines stadtweiten Sirenennetzes, das insgesamt mehr als vier Millionen Euro kosten wird.
Auslöser für das Umdenken sind nicht zuletzt reale Krisenszenarien. Feuerwehrchef Markus Röck verwies auf einen großflächigen Stromausfall in Berlin, der kürzlich bei einer Fachtagung thematisiert wurde. „Nach etwa einer halben Stunde waren die Menschen über ihre Handys nicht mehr erreichbar“, berichtet Röck. Zwar verfügen viele Smartphones noch über Akkuleistung, doch Mobilfunkmasten fallen bei längeren Stromausfällen rasch aus. Digitale Warnsysteme stoßen dann an ihre Grenzen – Sirenen hingegen funktionieren unabhängig davon.
Frankfurt hatte seine Sireneninfrastruktur über Jahre hinweg nahezu vollständig abgebaut. Nun muss sie von Grund auf neu entstehen. Auf einer interaktiven Planungskarte sind bereits rund 160 künftige Standorte markiert. Geplant ist, Sirenen auf bestehenden Gebäuden wie Feuerwachen, Schulen und Bürgerhäusern zu installieren. Eigene Masten seien nicht nötig, was den Ausbau vereinfacht und beschleunigt.
Ganz schnell geht es dennoch nicht. Der vollständige Aufbau des Netzes wird sich voraussichtlich bis 2030 hinziehen. Noch in diesem Jahr sollen jedoch die ersten 40 Sirenen montiert werden, voraussichtlich nach den Sommerferien. Die entsprechende Ausschreibung läuft bereits.
Für Innenminister Poseck ist das Projekt ein klarer Zugewinn an Sicherheit. Auch Oberbürgermeister Josef betont die Bedeutung der Investition angesichts wachsender Risiken durch Extremwetter, Industrieunfälle oder großflächige Stromausfälle. Feuerwehrchef Röck richtet zugleich einen Appell an die Bevölkerung: Warnsysteme seien nur dann wirksam, wenn die Menschen auch wissen, wie sie darauf reagieren sollen. „Jeder sollte sich einmal bewusst machen, was zu tun ist, wenn eine Sirene ertönt“, mahnt er.
Frankfurt holt damit nicht nur infrastrukturell auf, sondern stellt sich auch der Realität moderner Krisenlagen – in denen digitale Systeme allein nicht ausreichen.


