FBI prüft Anschlag gegen Synagoge

Ein schwer bewaffneter Mann ist im US-Bundesstaat Michigan mit einem Pickup in eine der größten Synagogen der Vereinigten Staaten gerast. Nach einem Schusswechsel mit Sicherheitskräften starb der Angreifer noch am Tatort. Ermittler prüfen, ob persönliche Verluste des Täters durch einen israelischen Militärschlag im Libanon ein mögliches Motiv gewesen sein könnten.

Der Angriff ereignete sich am Donnerstag in der Reformsynagoge Temple Israel im Vorort West Bloomfield nördlich von Detroit. Das Gotteshaus gehört mit rund 12.000 Mitgliedern zu den größten jüdischen Gemeinden in den USA und beherbergt neben dem Gebetsraum auch eine Vorschule und eine Religionsschule.

Pickup durchbricht Tor der Synagoge

Nach Angaben der Polizei durchbrach der Fahrer mit seinem Fahrzeug das Eingangstor des Gebäudekomplexes und kam erst im Eingangsbereich zum Stehen. Zu diesem Zeitpunkt hielten sich Kinder sowie Mitarbeiter in der Synagoge auf. Sie blieben unverletzt. Sicherheitskräfte eröffneten das Feuer auf den Täter, nachdem dieser bewaffnet aus dem Fahrzeug gestiegen sein soll. Während des Schusswechsels wurde ein Sicherheitsmitarbeiter verletzt und in ein Krankenhaus gebracht. Auch rund 30 Polizeibeamte mussten wegen Rauchvergiftungen medizinisch behandelt werden.

Der Pickup geriet während des Vorfalls in Brand. Die Leiche des Angreifers wies nach ersten Berichten schwere Brandverletzungen auf. Ob der Mann durch die Schüsse der Sicherheitskräfte oder durch das Feuer ums Leben kam, war zunächst unklar.

FBI ermittelt wegen gezielter Gewalt gegen jüdische Gemeinde

Das FBI leitete Ermittlungen wegen eines möglichen gezielten Angriffs auf die jüdische Gemeinschaft ein. Behörden identifizierten den Täter als den 41-jährigen Ayman Mohamad G., der im Libanon geboren wurde.

Nach Angaben des Heimatschutzministeriums war er 2011 mit einem Visum für Ehepartner von US-Bürgern in die Region Detroit eingereist und erhielt 2016 die amerikanische Staatsbürgerschaft. Offiziell bestätigten Ermittler bislang kein Motiv. Allerdings berichteten mehrere US-Medien unter Berufung auf Nachbarn und Mitglieder der libanesisch-amerikanischen Gemeinde, der Mann habe kurz zuvor mehrere Angehörige bei einem israelischen Luftangriff im Libanon verloren.

Demnach soll der Angriff etwa zehn Tage vor der Tat erfolgt sein. Bekannte beschrieben den Mann als „am Boden zerstört“.

Großaufgebot der Polizei

Fernsehbilder zeigten ein massives Polizeiaufgebot rund um das Synagogengelände. Dutzende Einsatzfahrzeuge sicherten die Umgebung, während Rauch über dem Gebäudekomplex aufstieg. Spürhunde durchsuchten das Fahrzeug des Täters vorsorglich nach möglichen Sprengstoffen. Oakland-County-Polizeichef Michael Bouchard erklärte, es gebe bislang keine Hinweise auf weitere Beteiligte. Der Angreifer sei offenbar allein im Fahrzeug gewesen.

Scharfe Reaktionen aus Politik und Israel

Das Weiße Haus bestätigte, dass Donald Trump unmittelbar über den Vorfall informiert wurde. Der US-Präsident sprach von einer „schrecklichen Sache“ und zeigte sich erschüttert darüber, dass ein Angriff auf ein religiöses Zentrum stattfinden konnte. Michigans Gouverneurin Gretchen Whitmer verurteilte die Tat scharf. Die jüdische Gemeinschaft müsse ohne Angst leben und ihren Glauben ausüben können, erklärte sie.

Auch aus Israel kamen deutliche Reaktionen. Außenminister Gideon Saar zeigte sich „schockiert über den Angriff“ und erklärte, Israel stehe in engem Kontakt mit der jüdischen Gemeinde vor Ort sowie mit den US-Behörden. Antisemitismus dürfe „niemals wieder sein hässliches Haupt erheben“.

Zweiter Gewaltvorfall erschüttert Universitätscampus

Am selben Tag kam es zudem zu einem weiteren tödlichen Zwischenfall im Osten der USA. An der Old Dominion University in Norfolk im Bundesstaat Virginia eröffnete ein Mann das Feuer in einem Universitätsgebäude. Eine Person wurde getötet, zwei weitere verletzt. Studenten überwältigten den Schützen noch vor dem Eintreffen der Polizei.

Nach Angaben des FBI hatte der Täter eine Vorgeschichte im Zusammenhang mit der Terrormiliz Islamischer Staat. Er war 2017 wegen versuchter Unterstützung der Organisation zu einer Haftstrafe verurteilt worden und kam 2024 wieder frei. Während des Angriffs soll er „Allahu Akbar“ gerufen haben.

Sorge über wachsenden Hass

Die beiden Vorfälle verstärken die ohnehin wachsende Sorge über antisemitische Gewalt in Nordamerika. In den vergangenen Wochen kam es auch in Toronto zu mehreren Schusswaffenangriffen auf jüdische Einrichtungen. Der frühere US-Botschafter in Israel Tom Nides warnte, Antisemitismus und Hass nähmen spürbar zu. In Zeiten internationaler Konflikte steige auch die Gefahr, dass Spannungen aus dem Nahen Osten auf westliche Gesellschaften übergreifen.

Die Ermittlungen zu beiden Gewalttaten dauern an.

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