EU plant strengere Drohnen-Regeln

Die Ära des unbeschwerten Hobby-Fliegens neigt sich in Europa ihrem Ende zu. Als Reaktion auf eine besorgniserregende Zunahme von Zwischenfällen an Flughäfen und militärischen Objekten hat die EU-Kommission einen drastischen Aktionsplan vorgelegt. Die Botschaft von Technologiekommissarin Henna Virkkunen ist unmissverständlich: In einer veränderten Weltlage müsse man akzeptieren, dass „alles als Waffe gegen uns genutzt werden kann“.

Die „100-Gramm-Grenze“: Totale Überwachung im Luftraum?

Der wohl einschneidendste Punkt des Plans betrifft fast jeden Besitzer einer modernen Mini-Drohne. Die bisherige Registrierungspflicht, die erst ab einem Gewicht von 250 Gramm griff, soll auf 100 Gramm gesenkt werden. Damit reagiert Brüssel auf den rasanten technologischen Fortschritt: Moderne Fluggeräte werden immer leistungsfähiger bei gleichzeitig schrumpfender Größe. Künftig soll jede in der EU verkaufte Drohne direkt einem Besitzer zugeordnet werden können – ein digitaler Fingerabdruck für den Luftraum.

Geofencing und KI: Der unsichtbare Schutzzaun

Doch die Registrierung ist nur der erste Schritt. Die Kommission plant eine technologische Aufrüstung:

Geofencing: Bis zum kommenden Jahr sollen technische Standards etabliert werden, die virtuelle Sperrzonen (No-Fly-Zones) direkt in die Software der Drohnen einspeisen. Ein versehentliches Eindringen in sensible Bereiche wird damit technisch unterbunden.

KI-Detektion: In Zusammenarbeit mit Telekommunikationsriesen soll künstliche Intelligenz eingesetzt werden, um verdächtige Flugmuster in Echtzeit zu identifizieren.

Eingreiftruppen: Geplant sind EU-weite „Notfallteams“, die bei akuten Bedrohungslagen grenzübergreifend Amtshilfe leisten können.

Deutschland rüstet auf

Auch in Deutschland ist der Handlungsdruck enorm. Die Zahlen der Deutschen Flugsicherung (DFS) sprechen eine deutliche Sprache: 225 Behinderungen im vergangenen Jahr markieren einen neuen Höchststand (nach 161 Vorfällen in 2024). Dass dieser Anstieg teilweise auf die bessere Detektionstechnik der Bundespolizei zurückzuführen ist, beruhigt nur bedingt.

Um der Lage Herr zu werden, wurde Ende letzten Jahres das Gemeinsame Drohnenabwehrzentrum (GDAZ) in Berlin eingeweiht. Doch die Behörden stoßen an ihre Grenzen: Während die Polizei für zivile Kleindrohnen zuständig bleibt, wurde auf der Innenministerkonferenz klargestellt, dass die Abwehr schwerer, militärischer Drohnen die Kapazitäten der Polizei übersteigt. Hier soll künftig die Bundeswehr übernehmen – eine entsprechende Reform des Luftsicherheitsgesetzes befindet sich bereits im parlamentarischen Verfahren.

Ein stumpfes Schwert gegen Terroristen?

Kritiker und sogar EU-Beamte räumen jedoch ein: Wer böse Absichten hegt, wird sich von einer Registrierungspflicht kaum abschrecken lassen. Der Nutzen der neuen Regeln liegt vielmehr in der Selektion: Je schneller Behörden die „legitimen“ Flieger identifizieren können, desto effizienter können sie die verbleibenden, potenziell gefährlichen Ziele ins Visier nehmen.

Während die Sicherheitsaspekte konkret formuliert sind, bleibt die versprochene Förderung der europäischen Drohnenindustrie im EU-Papier noch blass. Ohne klare Finanzierungszusagen droht dieser Teil des Aktionsplans im bürokratischen Nebel von Brüssel zu verschwinden.

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