Teneriffa. Auf Teneriffa hat eine ungewöhnlich dichte Serie von Erdbeben rund um den Pico del Teide für erhöhte Aufmerksamkeit gesorgt. Wie das spanische Instituto Geográfico Nacional (IGN) mitteilt, wurden seit Samstag (7. Februar) mehr als 90 Erdstöße im Bereich des Nationalparks Las Cañadas del Teide registriert. Der 3.718 Meter hohe Teide ist Spaniens höchster Berg und prägt das Bild der bei Urlaubern beliebten Kanareninsel.
Die Beben ereigneten sich in Tiefen zwischen zehn und zwölf Kilometern. Mit Magnituden zwischen 0,4 und 1,6 bewegten sie sich im Bereich sogenannter Mikroerdbeben. Diese sind zwar seismologisch klar messbar, werden an der Oberfläche jedoch nicht gespürt. Schäden oder Beeinträchtigungen wurden nicht gemeldet.
Auffällige Häufung binnen weniger Tage
Besonders aktiv zeigte sich das Vulkansystem am Samstagabend zwischen 18:25 und 19:00 Uhr. Auch am Montagvormittag wurde ein längeres seismisches Signal registriert. Laut IGN überlagerten sich teilweise mehrere Signale, sodass die exakte Zahl der Einzelbeben schwer festzulegen sei. Mehr als 90 Ereignisse binnen weniger Tage gelten dennoch als vergleichsweise selten.
In den vergangenen zehn Jahren haben Forscher auf Teneriffa über 120 ähnliche Erdbebenschwärme dokumentiert. Die aktuelle Serie wird vom IGN als sogenannte „hybride Erdbeben“ eingestuft – eine Kombination aus tektonischen Spannungen und vulkanisch bedingten Prozessen. Solche Signale stehen häufig mit der Bewegung von Magma oder anderen Fluiden im Untergrund in Verbindung.
Kein Hinweis auf bevorstehenden Ausbruch
Trotz der auffälligen Häufung geben die Experten Entwarnung. IGN-Direktor Itahiza Domínguez betonte, es gebe keine Anzeichen für eine unmittelbar bevorstehende Eruption. Die seit mehreren Jahren beobachtete leichte Bodenhebung habe sich nicht verändert. Auch die gemessenen Kohlendioxid-Werte seien stabil. „Diese Art von Aktivität gehört zum normalen Verhalten des Vulkansystems von Teneriffa“, heißt es seitens der Behörde.
Der Teide brach zuletzt im Jahr 1789 aus. Auch wenn es derzeit keinen aktiven Vulkan auf der Insel gebe, so Domínguez in einem Interview mit dem Sender Somos8RTVE, lebten die Menschen dennoch auf einer aktiven Vulkaninsel. Langfristig seien weitere Ausbrüche nicht ausgeschlossen – jedoch nicht in absehbarer Zeit.
Vulkan-Ampel bleibt auf Grün
Das Vulkanologische Institut INVOLCAN stuft die Lage ebenfalls als stabil ein. Im aktuellen Wochenbericht steht die Vulkan-Ampel für Teneriffa auf „Grün“ – der niedrigsten von vier Warnstufen. Das bedeutet: keine Einschränkungen für Bevölkerung oder Tourismus. Die höchste Stufe „Rot“ würde eine vollständige Evakuierung der betroffenen Gebiete bedeuten.
Die Kanarischen Inseln sind die einzige Region Spaniens mit aktivem vulkanischem Risiko. Während Teneriffa derzeit als unauffällig gilt, steht die Ampel auf der Nachbarinsel La Palma weiterhin auf „Gelb“, was eine erhöhte Aufmerksamkeit erfordert.
Für Urlauber besteht nach Angaben der Behörden aktuell kein Anlass zur Sorge. Der Teide und das umliegende Nationalparkgebiet werden rund um die Uhr überwacht. Fachleute werten die seismischen Daten kontinuierlich aus, um mögliche Veränderungen frühzeitig zu erkennen.


