Ein starkes Erdbeben hat Kuba in der Nacht auf Dienstag erschüttert – und fiel ausgerechnet mit einem landesweiten Stromausfall zusammen. Die ohnehin angespannte Lage auf der Karibikinsel spitzt sich damit weiter zu.
Nach Angaben des European-Mediterranean Seismological Centre sowie des United States Geological Survey erreichte das Beben eine Stärke zwischen 5,8 und 6,0 und ereignete sich in geringer Tiefe von rund 12 bis 20 Kilometern. Das Epizentrum lag vor der Küste nahe Guantánamo und war besonders im Osten der Insel deutlich zu spüren – unter anderem auch in Santiago de Cuba.
Obwohl bislang keine Opfer oder größeren Schäden gemeldet wurden, sorgte die Erschütterung für zusätzliche Unsicherheit in einem ohnehin fragilen Umfeld. Kurz nach dem ersten Beben folgten weitere Nachbeben mittlerer Stärke, die die Bevölkerung in Alarmbereitschaft versetzten.
Blackout trifft Millionen gleichzeitig
Besonders brisant: Zeitgleich mit dem Erdbeben kam es zu einem erneuten Komplettausfall des nationalen Stromnetzes. Mehr als neun Millionen Menschen waren plötzlich ohne Strom, Kommunikation und teilweise auch ohne Wasserversorgung. Es ist bereits der sechste landesweite Blackout innerhalb von anderthalb Jahren.
Die staatliche Energieversorgung meldete, dass nur ein Bruchteil der Haushalte – etwa fünf Prozent in der Hauptstadt Havanna – kurzfristig wieder ans Netz angeschlossen werden konnte. Die Wiederherstellung der Versorgung erfolgt schleppend und in Etappen. Notlösungen wie dezentrale „Mikrosysteme“ sollen zumindest kritische Infrastruktur wie Krankenhäuser und Lebensmittelproduktion absichern.
Die Ursachen für den massiven Stromausfall sind noch unklar. Offiziell heißt es, es habe keine unmittelbaren Schäden an laufenden Kraftwerken gegeben. Dennoch wird das gesamte System derzeit überprüft.
Energiekrise außer Kontrolle
Der Vorfall trifft ein Land, das sich bereits in einer tiefen Energiekrise befindet. Große Teile der Strominfrastruktur gelten als veraltet und störanfällig. Mehr als die Hälfte der Kraftwerke ist derzeit außer Betrieb oder wird gewartet. Gleichzeitig fehlen dem Staat die finanziellen Mittel für dringend notwendige Modernisierungen.
Hinzu kommt ein akuter Treibstoffmangel, der durch internationale Spannungen und eingeschränkte Liefermöglichkeiten weiter verschärft wird. Alternative Energiequellen wie Solar- und Wasserkraft sowie Dieselgeneratoren werden zwar eingesetzt, reichen jedoch nicht aus, um die Versorgung stabil zu sichern.
Für die Bevölkerung bedeutet das massive Einschränkungen im Alltag: In vielen Regionen dauern Stromausfälle inzwischen bis zu 48 Stunden, selbst in der Hauptstadt sind tägliche Abschaltungen von bis zu 15 Stunden keine Seltenheit.
Soziale Spannungen nehmen zu
Die anhaltende Versorgungskrise hat bereits spürbare gesellschaftliche Folgen. In mehreren Städten kam es zuletzt zu Protesten, die teilweise eskalierten. Die Kombination aus wirtschaftlichem Druck, Energieknappheit und wiederkehrenden Ausfällen bringt das Land zunehmend an seine Belastungsgrenze.
Das aktuelle Erdbeben hat zwar keine größeren Zerstörungen verursacht – doch in Verbindung mit dem landesweiten Blackout wirkt es wie ein Brandbeschleuniger für eine ohnehin kritische Lage. Experten warnen, dass ohne grundlegende Reformen und Investitionen eine nachhaltige Stabilisierung kaum möglich sein wird.


