Erdbeben der Stärke 4,2 in Israel

Ein Erdbeben der Stärke 4,2 hat am Donnerstagmorgen den Süden Israels erschüttert und im Zentrum des Landes spürbare Erschütterungen ausgelöst. Laut dem Euro-Mediterranen Seismologischen Zentrum lag das Epizentrum rund 19 Kilometer von Dimona entfernt in der geologisch aktiven Region der syrisch-afrikanischen Erdspalte. Erstmals wurden in größerem Umfang automatische Warnmeldungen des landesweiten Frühwarnsystems „Teruah“ ausgelöst, und Sirenen des Heimatfrontkommandos heulten im südlichen Negev sowie in Teilen des Toten-Meer-Gebiets. Rettungsdienste meldeten jedoch keine Verletzten oder akute Schäden. Vorsorglich wurden Einsatzkräfte zur Kontrolle von Gebäuden und öffentlichen Einrichtungen entsandt.

Besonders stark war das Beben in Dimona selbst zu spüren, wo Bürgermeister Benny Biton die ungewöhnliche Intensität schilderte: Möbel und selbst das städtische Lagezentrum gerieten ins Wanken. Er berichtete, dass er erstmals die reale Wirkung eines Erdbebens bewusst wahrgenommen habe. Auch aus weiteren Orten rund um das Tote Meer und den südlichen Negev, darunter Arad, Ein Bokek und Massada, wurden spürbare Erschütterungen gemeldet.

Gleichzeitig berichteten Orte wie der Kibbuz Ein Gedi von Alarmmeldungen ohne fühlbare Erschütterungen, was Seismologen auf die physikalischen Eigenschaften der Erdbebenwellen zurückführen. Die Frühwarnung basiert auf der Erkennung schneller, harmloser P-Wellen, die den eintreffenden, zerstörerischen S-Wellen Sekunden zuvor signalisieren. In Städten nahe des Epizentrums bleiben oft nur wenige Sekunden zur Reaktion, weiter entfernte Orte erhalten etwas mehr Vorlauf.

Israel liegt entlang der syrisch-afrikanischen Erdspalte, die sich vom Roten Meer bis in die Türkei erstreckt. Historische Aufzeichnungen zeigen, dass die Region wiederholt von starken Beben betroffen war. Das letzte schwere Erdbeben von der Stärke 6,5 ereignete sich 1927 am Toten Meer, forderte rund 500 Todesopfer und verursachte Verletzungen über große Entfernungen, selbst in Jerusalem, Bethlehem und Amman. Experten warnen, dass ein vergleichbares Beben heute aufgrund der hohen Bevölkerungsdichte und der ausgebauten Infrastruktur verheerendere Folgen hätte. Landesweite Übungen zur Vorbereitung auf ein starkes Beben haben bislang gezeigt, dass Israel im Katastrophenschutz noch erhebliche Lücken aufweist.

Die Gefahr eines „Big One“ entlang der Spalte gilt als überfällig, wobei Stärke und Zeitpunkt unvorhersehbar bleiben. Das Erdbeben in Israel erinnert erneut an die Notwendigkeit umfassender Schutz- und Vorsorgemaßnahmen, wie sie zuletzt bei einem Beben der Stärke 7,8 2023 zwischen Türkei und Syrien tausende Todesopfer forderte.

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