Ein Erdbeben der Stärke 5,0 hat in der Nacht zum Samstag den Süden Spaniens erschüttert (wir berichteten). Das Epizentrum lag südlich der andalusischen Hauptstadt Granada in der Umgebung von Alhendín und Otura. Das vergleichsweise flache Beben war in weiten Teilen Andalusiens deutlich zu spüren. Die Behörden aktivierten den regionalen Notfallplan, zahlreiche Notrufe gingen ein. Nach den bislang vorliegenden Angaben gab es keine bestätigten Todesopfer oder schwerwiegenden Personenschäden.
Der Erdstoß ereignete sich gegen 1.04 Uhr in der Nacht auf Samstag. Das spanische Instituto Geográfico Nacional (IGN) gab die Stärke mit 5,0 an. Das USGS kam zunächst auf 5,2, während das Deutsche Geoforschungszentrum eine Stärke von 4,9 meldete. Solche geringfügigen Abweichungen sind bei ersten Messungen verschiedener seismologischer Dienste nicht ungewöhnlich. Das GFZ verortete das Beben in einer Tiefe von etwa zehn Kilometern. Das Epizentrum lag im Großraum Granada, nahe Alhendín beziehungsweise Otura. Gerade wegen der vergleichsweise geringen Herdtiefe waren die Erschütterungen für die Bevölkerung besonders deutlich wahrnehmbar.
Mehr als 200 Notfallmeldungen
Die andalusische Notrufzentrale 112 registrierte nach Angaben der Regionalregierung mehr als 200 Meldungen im Zusammenhang mit dem Erdbeben. Bürger berichteten unter anderem über Risse an Gebäuden, herabgefallene Fassadenteile, Gesimse, Mauern und weitere kleinere Schäden. Einsatzkräfte von Feuerwehr und Polizei kontrollierten betroffene Bereiche und sicherten Gefahrenstellen. Auch in Medienbildern waren Trümmerteile auf Straßen und beschädigte Fahrzeuge zu sehen. In Las Gabias musste ein Wohngebäude vorsorglich geräumt werden. Mehrere Menschen wurden nach ersten Angaben aus beschädigten Gebäuden befreit. Hinweise auf größere Zerstörungen lagen zunächst jedoch nicht vor.
Andalusien aktiviert Notfallplan
Angesichts der zahlreichen Meldungen reagierten die Behörden mit einer Hochstufung des regionalen Katastrophenschutzes. Die Junta de Andalucía aktivierte beziehungsweise erhöhte den Erdbeben-Notfallplan auf die entsprechende Einsatzstufe. Feuerwehr, Polizei und weitere Einsatzkräfte kontrollierten Gebäude und sperrten Bereiche ab, an denen durch beschädigte Fassaden oder andere Bauteile eine zusätzliche Gefahr bestand. Die Behörden appellierten an die Bevölkerung, Absperrungen unbedingt zu respektieren und beschädigte Gebäude nicht unnötig zu betreten.
Behörden warnen vor beschädigten Gebäuden
Die Regionalregierung rief die Menschen in der betroffenen Region zu besonderer Vorsicht auf. Wer sich nach dem Beben außerhalb eines Gebäudes aufhält, soll Abstand zu Fassaden, Balkonen, Mauern, Gesimsen und anderen Bauteilen halten, die infolge der Erschütterungen instabil geworden sein könnten. Menschen, deren Häuser unbeschädigt geblieben sind, wurden zugleich aufgefordert, Ruhe zu bewahren und unnötige Bewegungen in und aus Gebäuden zu vermeiden. Aufzüge sollten nach einem Erdbeben grundsätzlich nicht benutzt werden.
Zahlreiche Nachbeben registriert
Nach dem Hauptbeben folgten weitere Erdstöße. Nach Angaben spanischer Medien wurden innerhalb weniger Stunden rund 15 Nachbeben registriert. Die gemessenen Stärken lagen teilweise zwischen 2,2 und 3,7. Solche Nachbeben sind nach einem stärkeren Erdstoß grundsätzlich möglich und können weitere Schäden an bereits beeinträchtigten Gebäuden verursachen. Die seismologische Entwicklung wird deshalb von den zuständigen wissenschaftlichen Stellen weiter überwacht. Die Behörden stehen nach eigenen Angaben in ständigem Austausch mit den Fachinstitutionen.
Erschütterungen weit über Granada hinaus
Das Beben beschränkte sich nicht auf die unmittelbare Umgebung des Epizentrums. Die Erschütterungen wurden in zahlreichen Teilen Andalusiens wahrgenommen. Meldungen gingen unter anderem aus den Provinzen Málaga, Almería und Jaén ein. Auch aus Córdoba wurden Auswirkungen des Bebens gemeldet. Lediglich aus Huelva und Cádiz lagen zunächst keine entsprechenden Meldungen vor. Damit war ein erheblicher Teil der südspanischen Region von dem Erdstoß betroffen.
Granada und die Alhambra im Fokus
Das Erdbeben traf eine der touristisch bedeutendsten Städte Spaniens. Granada ist insbesondere für die Alhambra bekannt, den historischen Palast- und Festungskomplex aus der maurischen Epoche, der zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Nach den bislang verfügbaren Informationen gab es keine Meldungen über größere Schäden an der weltberühmten Anlage. Die besondere Lage der Stadt und die Vielzahl historischer Gebäude machen die Kontrolle des baulichen Zustands nach einem Erdbeben jedoch besonders wichtig.
Noch keine Entwarnung für die Region
Auch wenn bislang keine größeren Opferzahlen oder großflächigen Zerstörungen gemeldet wurden, bleibt die Situation unter Beobachtung. Neben der Stärke eines Erdbebens sind insbesondere Herdtiefe, lokale Bodenverhältnisse und der Zustand einzelner Gebäude entscheidend dafür, wie schwer die Folgen ausfallen. Die spanischen Einsatzkräfte kontrollieren deshalb weiterhin gemeldete Schadensstellen. Gleichzeitig beobachten die Fachbehörden die weitere seismische Aktivität.
Das Erdbeben von Granada hat damit eine erhebliche Einsatzlage ausgelöst, ohne sich nach aktuellem Kenntnisstand zu einer schweren Katastrophe entwickelt zu haben. Entscheidend wird nun sein, ob weitere stärkere Nachbeben auftreten und ob bei den laufenden Gebäudekontrollen zusätzliche Schäden festgestellt werden.


