Diese Risiken kommen 2026 auf uns zu

Jena. 2026 wird nach Einschätzung des europäischen IT-Sicherheitsanbieters ESET zu einem kritischen Jahr für die globale Cyberabwehr. Die Experten erwarten eine deutliche Eskalation digitaler Bedrohungen, getrieben durch geopolitische Konflikte, hochprofessionelle Hackergruppen und die zunehmende Instrumentalisierung künstlicher Intelligenz für Spionage, Desinformation und Betrug. In einem aktuellen Lagebericht mit dem Titel „Von Drohnen, Desinformation & Datenklau – neue Cybergefahren in 2026“ zeichnet ESET ein Szenario, das Staaten, Unternehmen und Verbraucher gleichermaßen herausfordert.

Laut Thorsten Urbanski, Cybersicherheitsexperte bei ESET, verschmelzen politische Krisen und digitale Angriffe zunehmend: „Internationale Konflikte spiegeln sich heute unmittelbar im Netz wider. Cyberoperationen gehören inzwischen zum Standardrepertoire staatlicher Akteure.“ Vor diesem Hintergrund wachse die Bedeutung unabhängiger, vertrauenswürdiger Sicherheitstechnologien aus Europa.

Drohnenindustrie gerät ins Zentrum globaler Spionage

Besonders im Fokus steht der rasant wachsende Drohnensektor. Die weltweiten Investitionen in militärische und industrielle Drohnentechnologie schaffen laut ESET einen neuen Hotspot für digitale Ausforschung. Staaten wie China, Russland, Iran und Nordkorea intensivieren ihre Aktivitäten, um sich technologische Vorteile zu sichern. ESET verweist auf einen im Oktober 2025 aufgedeckten Fall weitreichender Industriespionage im Drohnenbereich.

China beobachtet demnach Taiwans militärische Modernisierung mit großer Skepsis und versucht systematisch, Entwicklungsprogramme auszuspähen. Russland wiederum richtet sein Augenmerk weiterhin auf die rasant fortschreitenden ukrainischen Drohnenprojekte. „Überall dort, wo Innovation besonders schnell voranschreitet, suchen Geheimdienste nach Schwachstellen“, erklärt ESET-Forschungsdirektor Jean-Ian Boutin. 2026 werde dieser Sektor so stark unter Druck stehen wie nie zuvor.

Russische Hacker intensivieren Angriffe auf Europa

Der Krieg in der Ukraine bleibt der entscheidende Treiber für Cyberattacken auf europäische Ziele. Selbst ein Waffenstillstand würde diese Entwicklung laut ESET kaum bremsen. Russische Hackergruppen werden sich 2026 verstärkt auf europäische Rüstungsprogramme, Energienetze und Lieferketten konzentrieren. Besonders aufmerksam beobachten Experten die vertiefte digitale Kooperation zwischen Russland und Belarus, die ihre offensiven Cyberfähigkeiten zunehmend bündeln.

Künstliche Intelligenz als strategischer Risikofaktor

Parallel dazu verschärft der Einsatz künstlicher Intelligenz die Bedrohungslage. Staaten nutzen KI-Modelle, um Operationen in bislang ungekanntem Umfang zu automatisieren: Spionage, Sabotage und gezielte Fehlinformation lassen sich effizienter und schwerer erkennbar durchführen. Gleichzeitig wächst der Markt für undurchsichtige KI-Modelle, deren Herkunft und Manipulationsrisiken unklar sind.

Für Cyberkriminelle eröffnet dies neue Möglichkeiten. Deepfakes, glaubwürdige Fake-Profile und täuschend echte Nachrichten können innerhalb von Sekunden erstellt und weltweit verbreitet werden. „Digitale Agenten, die autonom handeln – ob für legitime Zwecke oder für Angriffskampagnen –, werden sich massiv verbreiten“, warnt Juraj Janosik, Leiter des KI-Bereichs bei ESET.

Europa zwischen Herausforderung und Chance

Trotz der besorgniserregenden Prognosen sieht ESET auch strategische Chancen für Europa. Während Länder wie China und die USA KI-Ökosysteme und digitale Infrastrukturen dominieren, verfüge die EU über führende Unternehmen im Bereich Cybersicherheit. Diese böten nicht nur technologische Exzellenz, sondern erfüllten zugleich hohe Datenschutz- und Transparenzstandards.

Entscheidend sei nun, so der Tenor des Berichts, dass Unternehmen und Privatnutzer ihre Sicherheitsmaßnahmen konsequent ausbauen und auf vertrauenswürdige Anbieter setzen. Nur so lasse sich der drohenden Welle komplexer Cyberbedrohungen im Jahr 2026 wirksam begegnen.

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