Essen/Bremen. Der weltweite Containerumschlag hat zum Jahresauftakt spürbar angezogen – allerdings nicht überall und nicht ohne Sondereffekte. Während chinesische Häfen von Vorzieheffekten im Vorfeld des Neujahrsfests profitieren, verlieren nordeuropäische Standorte nach Streiks deutlich an Dynamik. Der globale Handel sendet damit gemischte Signale.
China zieht an – Europa bremst
Nach Angaben des RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung und des Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL) stieg der saisonbereinigte Containerumschlag-Index im Januar auf 144,7 Punkte. Im Dezember lag der – inzwischen revidierte – Wert noch bei 142,1 Punkten.
Hinter dem Anstieg stehen vor allem Vorzieheffekte in China: Viele Exporteure wickeln Geschäfte traditionell vor dem chinesischen Neujahrsfest ab, da während der Feiertage Produktion und Logistik zeitweise stillstehen. Entsprechend kletterte der China-Index bereits im Dezember von 159,7 auf 163,8 Punkte – ein deutlicher Hinweis auf erhöhte Exportaktivität.
In Nordeuropa zeigt sich dagegen ein anderes Bild. Der sogenannte Nordrange-Index, der wichtige Häfen wie Rotterdam und Antwerpen umfasst und als Frühindikator für die wirtschaftliche Entwicklung im nördlichen Euroraum gilt, fiel im Januar kräftig von 122,2 auf 117 Punkte. Damit laufen die Nachholeffekte aus, die nach Streiks in den Häfen von Antwerpen und Rotterdam zuvor für erhöhte Umschlagszahlen gesorgt hatten.
Leichter globaler Aufwärtstrend – trotz politischer Risiken
Abseits dieser Sondereffekte erkennen die Ökonomen einen vorsichtigen globalen Aufwärtstrend. Bereits im Dezember 2025 war der Gesamtindex auf 143,2 Punkte gestiegen – ein Plus von 1,2 Indexpunkten gegenüber dem Vormonat.
RWI-Konjunkturchef Torsten Schmidt sieht erste Anzeichen einer Stabilisierung des Welthandels, warnt jedoch vor anhaltenden Unsicherheiten. Insbesondere die handelspolitischen Spannungen rund um US-Zölle belasteten weiterhin die Planbarkeit für Unternehmen. Viele Firmen dürften ihre Lieferketten angesichts geopolitischer Risiken und protektionistischer Maßnahmen weiter anpassen.
Frühindikator für die Weltwirtschaft
Der Containerumschlag gilt als sensibler Frühindikator für die Entwicklung des globalen Handels und der Industrieproduktion. Steigende Umschlagszahlen deuten in der Regel auf zunehmende wirtschaftliche Aktivität hin – sinkende Werte signalisieren eine Abschwächung.
Die aktuellen Daten zeigen ein fragiles Gleichgewicht: Während Asien von saisonalen Effekten und robuster Exportnachfrage profitiert, bleibt die Lage in Europa verhalten. Ob sich der leichte Aufwärtstrend im Welthandel verstetigt oder erneut von politischen und strukturellen Risiken ausgebremst wird, dürfte sich in den kommenden Monaten entscheiden.


