Bundeswehr hält an Brocken Karrierecamp fest

Die Bundeswehr hält trotz massiver Kritik des Nationalparks Harz an ihren Plänen fest, im Mai ein zweiwöchiges Karrierecamp auf dem Brocken durchzuführen. Ziel der Veranstaltung ist es, Nachwuchs für die Streitkräfte zu gewinnen. Besonders der Einsatz von Hubschraubern sorgt jedoch für erheblichen Widerstand bei Naturschützern.

Ein Sprecher der Bundeswehr erklärte gegenüber dem NDR Niedersachsen, man nehme die Einwände des Nationalparks „sehr ernst“. Gleichzeitig betonte er, dass es für die Bundeswehr selbstverständlich sei, alle Vorgaben des Umwelt- und Tierschutzes einzuhalten. Aktuell werde geprüft, wie einzelne Programmpunkte – insbesondere Hubschrauberflüge und -landungen – konkret umgesetzt werden könnten. An dem Standort selbst wolle man jedoch nicht rütteln. Der Brocken sei bewusst ausgewählt worden und werde nicht verlegt.

Die Entscheidung für den Veranstaltungsort sei in Abstimmung mit dem Landrat des Landkreises Harz gefallen, so der Sprecher weiter. Da die Brockenkuppe dem Landkreis gehört, hat der Nationalpark rechtlich keine Möglichkeit, das Camp zu untersagen. Eine vom Nationalpark vorgeschlagene Ausweichfläche lehnt die Bundeswehr ab.

Der Konflikt hatte sich Anfang der Woche zugespitzt, als die Leitung des Nationalparks Harz öffentlich Kritik an der Planung äußerte. In einer Mitteilung hieß es, die Verwaltung sei vor vollendete Tatsachen gestellt worden. Besonders problematisch seien geplante Hubschrauberlandungen und Tiefflüge. Diese könnten Brutvögel sowie streng geschützte Tierarten erheblich stören. Zwar habe man grundsätzlich Verständnis dafür, dass die Bundeswehr um Nachwuchs werbe, doch die Brockenkuppe sei dafür „der falsche Ort“. Im Nationalpark gebe es Alternativen, an denen eine solche Veranstaltung nicht zwangsläufig mit dem Artenschutz kollidiere.

Rückendeckung erhält die Bundeswehr hingegen vom Landrat des Landkreises Harz, Thomas Balcerowski (CDU). Er hatte den Brocken bei einer Begehung als idealen Ort bezeichnet, um viele Menschen zu erreichen. Nach Darstellung der Bundeswehr soll der höchste Berg Norddeutschlands symbolisch für die „Mitte der Gesellschaft“ stehen. Geplant ist zudem, Schulklassen die Fahrt mit der Harzer Schmalspurbahn auf den Gipfel zu finanzieren. Vor Ort soll ein umfangreiches Informations- und Mitmachprogramm stattfinden, um mit Jugendlichen ins Gespräch zu kommen und für eine Karriere bei der Bundeswehr zu werben.

Damit prallen zwei Interessen frontal aufeinander: der Wunsch der Bundeswehr nach öffentlicher Präsenz und Nachwuchsgewinnung – und der Anspruch des Nationalparks, eines der sensibelsten Naturgebiete Norddeutschlands zu schützen. Eine Einigung ist bislang nicht in Sicht.

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