Berlin. Beim weit verbreiteten Blutdruckmedikament Ramipril kommt es erneut zu Problemen. Der Generikahersteller 089Pharm hat in Deutschland einen umfangreichen Rückruf für sein Präparat Ramipril 089PHARM 5 mg gestartet. Betroffen sind insgesamt 36 Chargen, die in Packungen zu 20, 50 und 100 Tabletten ausgeliefert wurden. Der Rückruf betrifft damit ein Medikament, das millionenfach verordnet wird und für viele Patientinnen und Patienten zur täglichen Therapie gehört.
Bereits im Dezember hatte 089Pharm zwei Chargen des Wirkstoffs zurückgerufen. Damals ging es um Mängel bei der sogenannten Bruchfestigkeit der Tabletten. Nun folgt eine deutlich größere Rückrufaktion: Auch bei den aktuell betroffenen Chargen wurden Abweichungen von der zugelassenen Spezifikation festgestellt. Sämtliche zurückgerufenen Chargen haben ein Verfallsdatum bis einschließlich Juni 2027. Produkte mit späterem Haltbarkeitsdatum sind nach Angaben des Herstellers derzeit nicht betroffen.
Was bedeutet die Abweichung konkret?
Die Bruchfestigkeit beschreibt, wie stabil eine Tablette ist und welchem Druck sie standhält, bevor sie zerbricht. Diese Eigenschaft ist pharmakologisch relevant, da sie beeinflusst, wie sich das Medikament im Körper auflöst und wie gleichmäßig der Wirkstoff Ramipril freigesetzt wird. Abweichungen können dazu führen, dass die Dosierung weniger präzise ist – ein sensibles Thema bei Blutdruckmedikamenten, bei denen eine gleichmäßige Wirkstofffreisetzung entscheidend ist.
Der Hersteller betont jedoch: Sicherheit und Wirksamkeit seien weiterhin gegeben, solange die Tabletten unbeschädigt und intakt sind. Dennoch wurde der Rückruf aus Qualitätsgründen veranlasst.
Apotheken müssen gezielt prüfen
Apotheken sind angewiesen, ihre Lagerbestände sorgfältig zu kontrollieren und die betroffenen Chargen auszusondern. Der Rückruf richtet sich primär an den pharmazeutischen Handel. Ob und in welchem Umfang Patientinnen und Patienten ihre Medikamente umtauschen müssen, hängt von den Vorgaben der jeweiligen Apotheke und Krankenkasse ab. Betroffene sollten ihr Arzneimittel nicht eigenständig absetzen, sondern Rücksprache mit Apotheke oder Arzt halten.
Viele Krankenkassen betroffen
Ramipril 089PHARM 5 mg ist ein sogenannter ACE-Hemmer und wird zur Behandlung von Bluthochdruck sowie weiterer Herz-Kreislauf-Erkrankungen eingesetzt. Das Präparat wird häufig auf Kassenrezept verordnet. Für das Produkt bestehen Rabattverträge mit zahlreichen großen gesetzlichen Krankenkassen, darunter Barmer, DAK, Techniker Krankenkasse, KKH, HEK, hkk, Knappschaft sowie mehrere Betriebskrankenkassen. Entsprechend groß ist der Kreis der potenziell betroffenen Versicherten.
Der erneute Rückruf wirft Fragen zur Qualitätskontrolle bei der Tablettenherstellung auf. Für Patientinnen und Patienten bleibt entscheidend: Medikamente nicht vorschnell absetzen – und im Zweifel fachlichen Rat einholen.


