Immer mehr Menschen in Großbritannien versuchen offenbar, ihre Smartphone-Nutzung einzudämmen – doch der Griff zum Handy bleibt für die meisten allgegenwärtig. Das geht aus der aktuellen „Digital Consumer Trends“-Studie der Unternehmensberatung Deloitte hervor.
Demnach hat fast jeder vierte Brite inzwischen Bildschirmzeit-Limits auf seinem Smartphone eingerichtet. 27 Prozent der Befragten geben an, mindestens einmal eine Social-Media-App gelöscht zu haben – entweder wegen exzessiver Nutzung, zu viel Werbung oder einer Flut gesponserter Inhalte. Weitere Gründe für den digitalen Rückzug sind Falschinformationen (22 Prozent), negative Auswirkungen auf die psychische Gesundheit (18 Prozent) sowie als langweilig empfundene Inhalte (16 Prozent).
Mehrheit fühlt sich abhängig
Trotz dieser Gegenmaßnahmen bleibt das Nutzungsverhalten hoch: 70 Prozent der Befragten sind überzeugt, zu viel Zeit mit ihrem Smartphone zu verbringen. Besonders ausgeprägt ist dieses Gefühl bei jüngeren Generationen. 77 Prozent der Generation Z und 78 Prozent der Millennials sehen ihren Konsum kritisch, bei der Generation X sind es 73 Prozent, unter Babyboomern immerhin noch 48 Prozent.
Die Zahlen verdeutlichen das Ausmaß: 82 Prozent der Briten überprüfen ihr Smartphone mindestens zehnmal täglich. 59 Prozent greifen 25 Mal oder häufiger zum Gerät, ein Drittel sogar mindestens 50 Mal. 15 Prozent kommen eigenen Angaben zufolge auf 100 oder mehr Checks pro Tag. Zudem schauen rund 60 Prozent innerhalb weniger Minuten nach dem Aufwachen auf ihr Handy.
Forderung nach Altersgrenzen
Gleichzeitig wächst die Unterstützung für strengere Regeln im Umgang mit sozialen Netzwerken. 82 Prozent sprechen sich für Nutzungsbeschränkungen von Social-Media-Plattformen für unter 18-Jährige aus. Dennoch halten 58 Prozent ein Alter zwischen zwölf und 15 Jahren für angemessen, um ein eigenes Smartphone zu erhalten. 43 Prozent plädieren dafür, dass Jugendliche mindestens 16 Jahre alt sein sollten, bevor sie Zugang zu sozialen Medien bekommen.
„Digitale Entgiftung“? Eher nicht
John Kehoe, Partner für Verbrauchertechnologien bei Deloitte, sieht in den Zahlen ein ambivalentes Bild: Einerseits gebe es eine wachsende Sensibilität für exzessive Nutzung, andererseits bleibe das Smartphone ein unverzichtbarer Bestandteil des Alltags. Die Diskussion um eine mögliche „digitale Entgiftung“ stehe im Raum – doch angesichts der hohen Nutzungsfrequenz erscheine ein grundlegender Verzicht unrealistisch.
Die Studie zeichnet damit ein Bild einer Gesellschaft im Zwiespalt: Das Bewusstsein für problematische Nutzung wächst – die Abhängigkeit bleibt.


