Newcastle-Krankheit breitet sich aus

Nach jahrzehntelanger Ruhe sorgt eine alte Tierseuche wieder für Alarm in Deutschland. Mehrere Ausbrüche der Newcastle-Krankheit wurden in Geflügelbetrieben bestätigt. Veterinärbehörden warnen vor einer ernsthaften Gefahr für Hühner-, Puten- und andere Vogelhaltungen. Nach Angaben des Friedrich-Loeffler-Institut wurden bislang acht Ausbrüche registriert: zwei Fälle in Brandenburg sowie sechs weitere im bayerischen Landkreis Erding nahe München. Weitere Verdachtsfälle werden derzeit untersucht.

Die Behörden sprechen von einer erheblichen Gefährdungslage für Geflügelbestände, insbesondere vor dem Hintergrund, dass gleichzeitig auch hochpathogene Varianten der Vogelgrippe in Europa zirkulieren.

Erste Ausbrüche seit rund 30 Jahren

Die Krankheit galt in Deutschland seit den 1990er-Jahren als weitgehend verschwunden. Ende Februar meldete das Friedrich-Loeffler-Institut jedoch den ersten bestätigten Ausbruch seit etwa drei Jahrzehnten in Brandenburg. Inzwischen haben sich weitere Fälle bestätigt. Um eine Ausbreitung zu verhindern, wurden bis Mitte der Woche bereits rund 125.000 Tiere vorsorglich getötet. Die Maßnahme soll verhindern, dass sich das Virus in weitere Geflügelbestände ausbreitet.

Experten warnen, dass die Lage weiterhin dynamisch ist. Deshalb fordern sie erhöhte Aufmerksamkeit in allen Betrieben mit Geflügelhaltung.

Strenge Hygieneregeln für Betriebe

Das Friedrich-Loeffler-Institut ruft Geflügelhalter zu verstärkten Schutzmaßnahmen auf. Besonders wichtig sei ein streng kontrollierter Personen- und Warenverkehr auf den Höfen. Auch Transportfahrzeuge, Lieferungen und Besucher könnten das Virus einschleppen. Darüber hinaus müsse die Früherkennung verbessert werden. Kranke oder verendete Tiere sollten sofort getestet werden, um mögliche Infektionen frühzeitig zu erkennen und schnell reagieren zu können.

Hoch ansteckendes Virus unter Vögeln

Die Newcastle-Krankheit wird durch das Newcastle-Virus verursacht und zählt zu den gefährlichsten Viruserkrankungen bei Geflügel. Wegen ihrer ähnlichen Symptome wird sie auch als atypische Geflügelpest bezeichnet. Das Virus kann grundsätzlich fast alle Vogelarten infizieren – von Hühnern und Puten bis zu Wildvögeln oder Vögeln in Zoos. Für Geflügelbetriebe kann ein Ausbruch wirtschaftlich verheerend sein, da infizierte Bestände meist vollständig gekeult werden müssen.

Seltene Infektionen beim Menschen

Auch Menschen können sich in seltenen Fällen anstecken. Nach Angaben des Friedrich-Loeffler-Instituts bleibt eine Infektion jedoch meist auf eine Bindehautentzündung beschränkt. In Einzelfällen wurden allerdings auch schwere Verläufe beschrieben, vor allem bei Menschen mit stark geschwächtem Immunsystem.

Ausbrüche auch in Nachbarländern

Die Situation in Deutschland steht zudem im Zusammenhang mit einer erhöhten Zahl von Ausbrüchen in mehreren europäischen Ländern. Besonders betroffen sind derzeit Geflügelhaltungen in Polen, Tschechien und der Slovakei. Hinweise darauf, dass aggressive Virusvarianten bereits großflächig in Wildvogelpopulationen zirkulieren, gab es zuletzt allerdings noch nicht. Anders ist die Lage bei der Vogelgrippe, deren Erreger weiterhin regelmäßig bei Wildvögeln nachgewiesen werden.

Impfpflicht für Geflügel in Deutschland

In Deutschland gilt bereits seit Jahren eine Impfpflicht gegen das Newcastle-Virus für Hühner und Puten – unabhängig von der Größe des Bestandes. Damit unterscheidet sich die Bundesrepublik von vielen anderen EU-Staaten. Geimpfte Tiere können sich zwar grundsätzlich weiterhin infizieren, doch die Krankheit verläuft meist milder. Außerdem scheiden sie weniger Virus aus und sind daher weniger ansteckend.

Dennoch bleibt im Falle eines bestätigten Ausbruchs häufig nur eine drastische Maßnahme: die Keulung des gesamten Bestandes. Laut Experten hat sich die Kombination aus Impfung und konsequenter Tötung infizierter Tiergruppen als effektiv erwiesen, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen.

Behörden warnen vor weiterer Ausbreitung

Veterinärbehörden beobachten die Situation derzeit sehr genau. Die Rückkehr der Newcastle-Krankheit nach Jahrzehnten ohne größere Ausbrüche zeigt, wie schnell alte Tierseuchen wieder auftreten können. Für Geflügelhalter bedeutet das vor allem eines: höchste Wachsamkeit, strikte Hygiene – und schnelles Handeln bei ersten Krankheitsanzeichen.

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