Belfast: Messerangriff löst Gewalt aus

Nach Messerattacke durch einen 30-jährigen Asylbewerber aus dem Sudan ist es in der nordirischen Hauptstadt Belfast zu schweren Ausschreitungen gekommen. Was zunächst als Reaktion auf die Gewalttat begann, entwickelte sich innerhalb weniger Stunden zu massiven Krawallen. Hunderte Menschen beteiligten sich an den Unruhen, bei denen Wohnhäuser, Geschäfte und öffentliche Einrichtungen angegriffen wurden. Die Polizei sprach von einer äußerst angespannten Sicherheitslage.

Maskierte Gruppen greifen Wohnhäuser und Migranten an

Medien berichten über organisierte Gruppen maskierter Randalierer, die gezielt durch Wohnviertel zogen. Nach Angaben von Augenzeugen wurden Türen eingetreten und Bewohner mit Migrationshintergrund eingeschüchtert oder aus ihren Häusern vertrieben. Betroffen waren insbesondere Menschen mit schwarzer Hautfarbe. Zudem errichteten die Angreifer offenbar Kontrollpunkte auf Straßen, um Fahrzeuge anzuhalten und nach mutmaßlichen Asylbewerbern zu durchsuchen. Kirchenvertreter und Anwohner schilderten Szenen der Angst, in denen Familien ihre Wohnungen fluchtartig verlassen mussten.

Häuser, Supermarkt und Bus gehen in Flammen auf

Die Gewalt eskalierte im Laufe des Abends weiter. Mehrere Wohnhäuser sowie ein Supermarkt wurden in Brand gesetzt. Auch ein Linienbus wurde angezündet und vollständig zerstört. Wegen der anhaltenden Angriffe stellte der Verkehrsbetrieb den öffentlichen Nahverkehr zeitweise vollständig ein. Fernsehbilder zeigten dichte Rauchwolken und brennende Gebäude, während Rettungskräfte versuchten, Bewohner – darunter auch kleine Kinder – aus den betroffenen Häusern in Sicherheit zu bringen. Nach Medienberichten wurden auch Unterkünfte für Migranten Ziel der Angriffe.

Angreifer offenbar bewaffnet

Nach Berichten mehrerer Medien führten einige der Randalierer Baseballschläger mit sich. In sozialen Netzwerken kursierten zudem Aufnahmen, auf denen einzelne Personen mutmaßlich Schusswaffen trugen. Die Polizei untersuchte entsprechende Hinweise und war mit einem Großaufgebot im Einsatz. Einsatzkräfte wurden während der Ausschreitungen mit Ziegelsteinen und anderen Wurfgeschossen attackiert. Besonders betroffen waren Stadtteile im Osten und Norden Belfasts, in denen sich die heftigsten Auseinandersetzungen ereigneten.

Nordirlands Regierung verurteilt die Gewalt scharf

Nordirlands Regierungschefin Michelle O’Neill reagierte mit deutlichen Worten auf die Ausschreitungen. Sie bezeichnete die Angriffe auf Familien und Wohnhäuser als „widerliche Feigheit“ und verurteilte das Vorgehen der Gewalttäter scharf. Auch zahlreiche Politiker verschiedener Parteien warnten davor, die Tat eines Einzelnen für rassistische Übergriffe auf Unbeteiligte zu instrumentalisieren. Die Behörden kündigten an, konsequent gegen die Verantwortlichen der Ausschreitungen vorzugehen und weitere Straftaten mit aller Härte zu verfolgen.

Tatverdächtiger wegen versuchten Mordes angeklagt

Der mutmaßliche Auslöser der Unruhen, ein 30-jähriger sudanesischer Asylbewerber, wurde inzwischen wegen versuchten Mordes angeklagt. Ihm wird vorgeworfen, einen Mann auf offener Straße mit einem Messer lebensgefährlich verletzt zu haben. Passanten griffen ein und verhinderten nach bisherigen Erkenntnissen möglicherweise Schlimmeres. Das Opfer befindet sich weiterhin mit schweren Verletzungen im Krankenhaus.

Sicherheitslage bleibt angespannt

Nach den schweren Ausschreitungen bleibt die Lage in Belfast angespannt. Die Polizei verstärkte ihre Präsenz in mehreren Stadtteilen und kündigte weitere Ermittlungen an. Gleichzeitig wächst die Sorge, dass die Ereignisse neue Spannungen zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen schüren könnten. Die Behörden appellieren an die Bevölkerung, Ruhe zu bewahren und sich nicht an weiteren Gewalttaten zu beteiligen.

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