Berlin/Washington. Die Aussagen von US-Präsident Donald Trump über die Rolle der NATO-Partner im Afghanistan-Krieg sorgen international für massive Verstimmung. Nachdem mehrere Verbündete scharf widersprochen hatten, meldet sich nun auch Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) deutlich zu Wort – und stellt sich klar hinter die Bundeswehr.
Pistorius wies die Vorwürfe Trumps entschieden zurück. Deutschland habe nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 ohne Zögern an der Seite der USA gestanden, erklärte der Minister über den offiziellen WhatsApp-Kanal seines Ressorts. Die Bundeswehr habe auf Bitten der amerikanischen Verbündeten gehandelt und über Jahre hinweg einen hochprofessionellen und gefährlichen Einsatz geleistet. Dafür gebühre den Soldatinnen und Soldaten Dank und Respekt.
Der Verteidigungsminister erinnerte zugleich an die Opfer des Einsatzes. Insgesamt seien 59 deutsche Soldaten und drei Polizisten in Afghanistan getötet worden. Viele weitere Einsatzkräfte litten bis heute an körperlichen und seelischen Folgen, ebenso ihre Familien. Deutschland habe einen hohen Preis gezahlt, betonte Pistorius. Der Einsatz und der Mut der Soldaten würden in Ehren gehalten – unabhängig davon, wer sie infrage stelle.
Trump hatte zuvor in einem Interview erneut Zweifel an der Verlässlichkeit der NATO geäußert und behauptet, die Bündnispartner hätten sich in Afghanistan aus den Kämpfen herausgehalten. Zudem erneuerte er die vielfach widerlegte Darstellung, die USA hätten ihre Verbündeten nie um Unterstützung gebeten. Diese Aussagen stießen bei NATO-Staaten auf breite Empörung.
Besonders deutlich fiel die Kritik aus Großbritannien aus. Premierminister Keir Starmer bezeichnete Trumps Worte als beleidigend und respektlos gegenüber den eingesetzten Soldaten. Auch Dänemark reagierte empört und sprach von inakzeptablen Äußerungen aus dem Weißen Haus.
Historisch ist der Afghanistan-Einsatz für die NATO von besonderer Bedeutung. Nach den Anschlägen von 2001 riefen die USA erstmals und bislang einmalig den Bündnisfall nach Artikel fünf des NATO-Vertrags aus. Daraufhin beteiligten sich zahlreiche Staaten, darunter Deutschland, Großbritannien und Dänemark, am militärischen Einsatz gegen die Taliban und das Terrornetzwerk Al-Kaida.
Die aktuelle Debatte zeigt, wie sensibel die Erinnerung an Afghanistan bleibt – und wie schnell politische Aussagen alte Wunden bei Verbündeten wieder aufreißen können.


