Wunstorf. In Wunstorf soll das Sirenennetz nach Jahren der Stille wieder hörbar werden. Mit einer Förderung von rund 200.000 Euro durch die Region Hannover steht der Ausbau der veralteten Warninfrastruktur nun konkret bevor. Hintergrund ist, dass die vorhandenen Sirenen technisch überholt sind und seit Jahren nicht mehr zuverlässig in das moderne Warnsystem eingebunden werden können.
Zuletzt hatte die Stadt ihre Bürgerinnen und Bürger vor allem auf digitale Warnlösungen verwiesen. Apps wie Katwarn oder ähnliche Systeme informieren per Smartphone über Unwetter, Brände, Industrieunfälle oder andere Gefahrenlagen. Auch bei Gesundheitskrisen können diese Anwendungen wichtige Hinweise liefern. Doch sie ersetzen keine flächendeckende, akustische Warnung – insbesondere für Menschen ohne Smartphone oder in Situationen, in denen Mobilfunknetze ausfallen.
Dass bei bundesweiten Warntagen in Wunstorf seit etwa 2020 kein Sirenengeheul mehr zu hören war, hatte einen simplen, aber folgenreichen Grund: Die Technik stammt noch aus der Zeit des Kalten Krieges. Seit dessen Ende wurde kaum investiert. Die 37 vorhandenen Sirenen sind so alt, dass sie nicht digital von der Leitstelle der Region Hannover angesteuert werden können. Während andernorts moderne Anlagen längst zentral ausgelöst werden, blieb es in Wunstorf still.
Dabei war der politische Wille zur Erneuerung schon länger vorhanden. Als grober Zielhorizont galt in den vergangenen Jahren „ab 2023“. Mit der nun zugesagten Fördersumme rückt das Vorhaben erstmals in greifbare Nähe. Dennoch wird es bis zur Umsetzung noch dauern.
Noch ist offen, wo genau neue Sirenen installiert werden und wie viele Anlagen am Ende nötig sind, um das Stadtgebiet zuverlässig abzudecken. „Die Standortermittlung ist noch nicht abgeschlossen“, erklärt Stadtsprecher Daniel Pfingsten. Allein dieser Planungsschritt könne einige Zeit in Anspruch nehmen. Für das Gesamtprojekt kalkuliert die Stadt derzeit mit rund zwei Jahren – ein Zeitraum, den Pfingsten selbst als „sehr sportlich“ bezeichnet.
Gründe dafür sind nicht nur begrenzte personelle Kapazitäten im Rathaus, sondern auch die hohe Auslastung spezialisierter Fachfirmen. Derzeit modernisieren viele Kommunen ihre Warnsysteme, was die Nachfrage nach entsprechender Technik und Expertise stark erhöht.
Bis neue Sirenen tatsächlich wieder über den Dächern von Wunstorf zu hören sein werden, müssen sich die Menschen also weiter auf Warn-Apps verlassen. Eine flächendeckende, überregional gesteuerte Warnung per Sirene bleibt vorerst Zukunftsmusik – nun allerdings mit konkreter Finanzierung und einem klaren Ziel vor Augen.


