1,2 Millionen ukrainische Haushalte ohne Strom

Kiew. Trotz laufender Gespräche über ein mögliches Ende des Krieges hat Russland seine massiven Angriffe auf die Ukraine fortgesetzt und dabei erneut gezielt die Energieinfrastruktur ins Visier genommen. Die Folgen sind dramatisch: Nach offiziellen Angaben sind landesweit rund 1,2 Millionen Haushalte ohne Strom, Hunderttausende Menschen sitzen mitten im Winter ohne Heizung und Wasser in ihren Wohnungen fest. Mindestens ein Mensch kam ums Leben, Dutzende wurden verletzt.

Besonders schwer getroffen wurde erneut die Hauptstadt Kiew. Vizeregierungschef Olexij Kuleba sprach von rund 800.000 Menschen ohne Strom. Bürgermeister Vitali Klitschko erklärte, dass in fast 6.000 Gebäuden die Heizungen ausgefallen seien – bei Temperaturen von etwa minus zehn Grad. In der Nacht habe Russland laut ukrainischer Luftwaffe insgesamt 375 Drohnen sowie 21 Raketen abgefeuert. Mehrere Wohngebäude wurden getroffen, es kam zu Bränden in verschiedenen Stadtteilen. Klitschko warnte die Bevölkerung eindringlich, die Schutzräume nicht zu verlassen.

Auch andere Regionen meldeten schwere Schäden. In der nordukrainischen Stadt Tschernihiw fiel nach Angriffen auf Energieanlagen nahezu flächendeckend der Strom aus. Rund 400.000 Menschen seien betroffen, teilten die örtlichen Behörden mit. Im ostukrainischen Charkiw wurden bei Luftangriffen mindestens 27 Menschen verletzt. Dort traf es unter anderem ein Wohnheim für Binnenvertriebene sowie eine Geburtsklinik. Nach Angaben der Stadtverwaltung kamen erneut iranische Schahed-Drohnen zum Einsatz.

Die systematischen Angriffe auf Kraftwerke, Umspannwerke und Leitungen stellen die Ukraine vor enorme Herausforderungen. Nach Einschätzung von Beobachtern kommt der Wiederaufbau der beschädigten Infrastruktur kaum noch hinterher. Ersatzteile fehlen, Reparaturteams arbeiten unter Dauerbeschuss. Immer wieder würden auch Ingenieure und Techniker bei Angriffen getötet, was die Lage zusätzlich verschärft. Für viele Menschen gehe es derzeit nicht um Politik, sondern ums schiere Überleben.

Das russische Verteidigungsministerium bestätigte die nächtlichen Luftschläge und erklärte, man habe ukrainische Drohnenstellungen und Energieobjekte angegriffen. Die Angriffe erfolgten parallel zu den Gesprächen zwischen Russland, der Ukraine und den USA in Abu Dhabi, die seit Freitag andauern und nun fortgesetzt werden. Dabei geht es unter anderem um mögliche Gebietsfragen und Sicherheitsgarantien. Es sind die ersten direkten Gespräche der Kriegsparteien seit Monaten – überschattet von einer Eskalation, die vor allem die Zivilbevölkerung trifft.

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