Berlin. Nach dem schweren Brandanschlag auf die Stromversorgung im Berliner Südwesten setzen die Behörden ein deutliches Zeichen: Für Hinweise, die zur Aufklärung der Tat führen, ist eine Belohnung von einer Million Euro ausgesetzt worden. Das bestätigte Berlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD) am Montag im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses und bekräftigte damit entsprechende Medienberichte.
Die außergewöhnlich hohe Summe stammt nach Angaben der Senatorin vom Bund. Es handele sich um einen „einmaligen Vorgang“ – sowohl in der Höhe der Belohnung als auch angesichts der Tragweite des Falls. Spranger machte unmissverständlich klar, wie die Tat politisch und strafrechtlich eingeordnet wird: „Wir sprechen hier über Terrorismus.“
Die Ermittlungen zu dem Anschlag vom 3. Januar liegen inzwischen bei der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe, die gemeinsam mit dem Bundeskriminalamt ermittelt. Das Bundesinnenministerium verwies bei Nachfragen zur Belohnung auf die Zuständigkeit der Bundesanwaltschaft. Eine offizielle Stellungnahme dazu steht noch aus.
Der Anschlag selbst hatte weitreichende Folgen. In den frühen Morgenstunden des 3. Januar setzten bislang unbekannte Täter eine Kabelbrücke über dem Teltowkanal nahe dem Heizkraftwerk Lichterfelde in Brand. Bei winterlichen Temperaturen fiel in weiten Teilen des Berliner Südwestens der Strom aus. Rund 45.000 Haushalte waren betroffen – viele von ihnen über fünf Tage hinweg.
Die Auswirkungen reichten weit über dunkle Wohnungen hinaus: Heizungen fielen aus, Mobilfunknetze waren gestört, Pflegeheime mussten evakuiert werden. Krankenhäuser verlegten Patienten, Notunterkünfte wurden eingerichtet. Nach Angaben der Behörden handelte es sich um den längsten großflächigen Stromausfall in Berlin seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs.
Zu der Tat bekannte sich die linksextreme „Vulkangruppe“. Die Gruppierung wird seit ihrer Gründung im Jahr 2011 mit zahlreichen Brandanschlägen in Verbindung gebracht, darunter Angriffe auf Bahninfrastruktur, Funkmasten, Datenleitungen und Firmenfahrzeuge. Sicherheitsbehörden sehen in dem aktuellen Anschlag eine neue Eskalationsstufe, da erstmals gezielt eine zentrale Energieinfrastruktur mit massiven Folgen für die Zivilbevölkerung attackiert wurde.
Mit der Auslobung der Millionensumme hoffen die Ermittler nun auf entscheidende Hinweise aus der Bevölkerung, um die Täter zu identifizieren und zur Rechenschaft zu ziehen.


