Der derzeit auffälligste länger andauernde Stromausfall dieser Woche ereignet sich in Gaggenau im Landkreis Rastatt (Baden-Württemberg). Die Störung begann bereits am Montag und entwickelte sich zu einem ungewöhnlich hartnäckigen Problem im örtlichen Stromnetz. Nach Angaben des SWR führte zunächst ein Kurzschluss zu einem Ausfall. Nachdem die Versorgung am Dienstagmorgen vorübergehend wiederhergestellt werden konnte, brach das provisorisch reparierte Netz erneut zusammen. Seit Mittwoch waren zeitweise rund 1.500 Menschen in den Gaggenauer Ortsteilen Oberweier und Winkel ohne Strom. Auch Teile des Industriegebiets in Bad Rotenfels waren betroffen.
Die Stadtwerke Gaggenau machten mehrere Kurzschlüsse für die Probleme verantwortlich. Ein Kurzschluss konnte bereits beseitigt werden, ein weiterer wurde anschließend entdeckt. Zur Unterstützung wurden zusätzliche Kräfte aus Rastatt hinzugezogen. Besonders problematisch war die Länge der Unterbrechung. Die Feuerwehr informierte die Bevölkerung darüber, dass möglicherweise noch weitere zwölf Stunden ohne reguläre Stromversorgung gerechnet werden müsse. Die Stadtwerke arbeiteten nach eigenen Angaben mit allen verfügbaren Kräften an der Wiederherstellung.
Der Ausfall zeigte zudem, wie schnell aus einer lokalen Netzstörung ein Problem für die gesamte Infrastruktur werden kann. In Oberweier waren zeitweise auch Mobilfunk und mobiles Internet beeinträchtigt. Damit konnten unter Umständen auch die Notrufnummern 110 und 112 nicht zuverlässig erreicht werden. Die Stadt richtete deshalb in der Eichelberghalle eine Anlaufstelle und Notunterkunft ein. Dort konnten Bürger ihre Mobiltelefone laden, Wasser erhitzen und sich mit warmem Essen versorgen. Das THW stellte die Stromversorgung der Halle über Notstrom sicher.
Die Stadtwerke Gaggenau sind örtlicher Stromnetzbetreiber und hatten bereits auf ihrer Internetseite über die Versorgungsunterbrechung informiert.
Unwetter legt Stromversorgung im Raum Freiburg teilweise lahm
Ein weiterer größerer Ausfall ereignete sich in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch im Raum Freiburg. Schwere Gewitter mit Sturmböen zogen über Südbaden hinweg und sorgten für zahlreiche Feuerwehreinsätze. Betroffen waren neben Freiburg auch Gundelfingen und Umkirch. Nach Angaben des Netzbetreibers Badenova Netze begann der Ausfall in Freiburg am Dienstagabend um 21.39 Uhr, in Umkirch um 21.40 Uhr und in Gundelfingen um 21.47 Uhr.
Der SWR berichtete von insgesamt etwa 1.500 betroffenen Haushalten in Gundelfingen, Opfingen, Waltershofen und Umkirch. Ursache war demnach ein abgebrochener Ast, der auf einen Strommast fiel. Am Mittwochmittag war die Versorgung für fast alle betroffenen Haushalte wiederhergestellt. Die Stromausfälle waren Teil einer deutlich größeren Unwetterlage. In Freiburg musste die Feuerwehr zu rund 50 Einsätzen ausrücken. Drei Menschen wurden verletzt, darunter zwei Kinder durch einen umgestürzten Baum. Straßen und Fahrradwege waren teilweise blockiert. Der Netzbetreiber veröffentlichte parallel konkrete Störungsmeldungen für Freiburg, Gundelfingen und Umkirch. Damit lässt sich der zeitliche Zusammenhang der Ausfälle mit der Gewitterlage unabhängig von den Medienberichten nachvollziehen.
Nürnberg: Tausende Menschen nach Defekt ohne Strom
Auch in Nürnberg kam es am Mittwoch zu einem größeren, allerdings deutlich kürzeren Stromausfall. Betroffen waren Bereiche der Stadtteile St. Johannis und Gärten hinter der Veste. Nach Angaben des Bayerischen Rundfunks fiel gegen 12.41 Uhr in Teilen des Nürnberger Nordens der Strom aus. Gleichzeitig funktionierten Ampeln, Kühlungen und Internetanschlüsse nicht mehr. Insgesamt waren laut dem Netzbetreiber N-Ergie mehrere tausend Anwohner betroffen. Auslöser war nach ersten Erkenntnissen eine defekte Gebäudeanschlussleitung. Aus einem Keller in der Bucherstraße drang Rauch, woraufhin die Berufsfeuerwehr mit mehreren Fahrzeugen anrückte. Auch Polizei und Rettungsdienst waren im Einsatz.
In Teilen des betroffenen Bereichs konnte N-Ergie die Stromversorgung nach knapp einer Stunde wieder herstellen. In anderen Straßen blieb der Strom jedoch bis etwa 15 Uhr abgeschaltet. Betroffen waren unter anderem Bereiche der Sandrartstraße, des Kirchenwegs und der Rieterstraße. Der Vorfall ist ein Beispiel dafür, dass auch ein vergleichsweise lokaler technischer Defekt binnen Minuten Auswirkungen auf eine größere Zahl von Haushalten und auf die öffentliche Infrastruktur haben kann.
Berlin: Umspannwerk brennt – Stromversorgung bleibt stabil
Ein weiterer bemerkenswerter Netzvorfall ereignete sich am Montag in Berlin-Mitte. Dort wurde ein Teil eines Umspannwerks durch ein Feuer beschädigt. Zusätzlich brannte eine Baustelle auf dem Gelände. Anders als in Gaggenau, Freiburg oder Nürnberg kam es dabei nach bisherigen Angaben nicht zu einem größeren Stromausfall. Die Berliner Stromversorgung blieb stabil. Die Polizei und der Netzbetreiber untersuchten zunächst, ob ein technischer Defekt oder eine Straftat hinter dem Brand steckte.
Spätere Ermittlungen deuteten nach Angaben der Polizei allerdings auf einen technischen Defekt hin: Ein Kurzschluss habe eine Explosion ausgelöst und anschließend den Brand verursacht. Der Kabeltunnel des Umspannwerks wurde nach Feuerwehrangaben nicht beschädigt. Trotzdem hatte der Vorfall Auswirkungen auf die Infrastruktur. Am Montagmorgen fielen in Berlin zeitweise etwa 50 bis 60 Ampelanlagen aus. Als mögliche Ursache wurden Spannungsschwankungen infolge des nächtlichen Ereignisses genannt.
Stromnetz diese Woche auch wegen Sabotagefällen im Fokus
Die aktuelle Woche ist zudem von einer außergewöhnlichen Sicherheitsdebatte rund um die deutsche Strominfrastruktur geprägt. Dabei muss allerdings klar zwischen tatsächlichen Stromausfällen dieser Woche und Ermittlungen zu früheren Sabotagefällen unterschieden werden. Nach mehreren Angriffen auf Stromanlagen in Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen Anfang September wurde am Dienstag ein 48-jähriger Tatverdächtiger festgenommen (wir berichteten). Die Ermittler werfen ihm unter anderem vor, Strominfrastruktur gezielt angegriffen zu haben.
Die Angriffe Anfang September hatten teilweise erhebliche Auswirkungen auf die Energieinfrastruktur. In Bergheim gingen beispielsweise mehrere Kraftwerksblöcke mit einer Gesamtleistung von rund 4.200 Megawatt vom Netz. In Brandenburg wurden Hochspannungsleitungen angegriffen. Nicht jeder dieser Vorfälle führte jedoch zu einem Stromausfall bei Haushalten. Auch ein Vorfall an einem Umspannwerk in Wesel beschäftigt die Polizei. Dort wurde ein Loch im Sicherheitszaun entdeckt. Einen öffentlichen Stromausfall gab es nach den bislang veröffentlichten Informationen nicht.
Für die aktuelle Stromausfall-Bilanz sind diese Fälle deshalb vor allem als Warnsignal für die Verwundbarkeit kritischer Infrastruktur relevant – nicht als weitere nachgewiesene flächige Stromausfälle dieser Woche.
Auffällig: Die Ursachen sind völlig unterschiedlich
Die bisher dokumentierten Fälle dieser Woche zeigen eindrucksvoll, dass „Stromausfall“ keineswegs gleichbedeutend mit einem großen Blackout ist. In Gaggenau sind mehrere Kurzschlüsse und technische Probleme im Verteilnetz die Ursache. In Freiburg war ein Unwetterschaden an einem Strommast ausschlaggebend. In Nürnberg führte eine defekte Gebäudeanschlussleitung zu einem Ausfall für mehrere tausend Menschen. Berlin wiederum zeigt, dass selbst ein Schaden an einem Umspannwerk nicht zwangsläufig zu einem großflächigen Stromausfall führen muss.
Damit wird zugleich ein Problem bei der öffentlichen Wahrnehmung sichtbar: Die meisten Stromausfälle in Deutschland bleiben unspektakulär. Sie betreffen einen Straßenzug, einen Ortsteil oder wenige hundert Haushalte und sind häufig innerhalb kurzer Zeit behoben. Erst wenn eine Störung mehrere Stunden dauert, kritische Infrastruktur beeinträchtigt oder mehrere tausend Menschen betrifft, wird sie überregional wahrgenommen.
Wenn Stromausfall und Kommunikation zusammenbrechen
Der Fall Gaggenau zeigt, wo die eigentliche Gefahr längerer Stromausfälle liegt. Nicht nur Licht, Kühlschrank oder Heizung fallen aus. Mit zunehmender Dauer können auch Mobilfunk, Internet, Bezahlsysteme, Tankstellen, Aufzüge, elektrische Türen und andere technische Systeme betroffen sein. In Oberweier waren Mobilfunk und mobiles Internet teilweise ebenfalls ausgefallen. Die Kommune musste deshalb eine physische Anlaufstelle schaffen. Das THW stellte dort eine Notstromversorgung bereit.
Damit wird aus einem technischen Problem des Stromnetzes schnell eine Frage des Bevölkerungsschutzes. Dass dieses Thema inzwischen auch von den Behörden stärker berücksichtigt wird, zeigt beispielsweise Hessen. Dort wurden für länger andauernde Stromausfälle mobile Notstromaggregate und weitere Spezialausrüstung beschafft; auch Feuerwehrhäuser sollen besser mit Notstrom versorgt werden.
Kein Blackout – aber viele kleine Abhängigkeiten
Von einem bundesweiten Blackout kann angesichts der derzeit dokumentierten Fälle keine Rede sein. Das deutsche Stromnetz funktioniert insgesamt stabil. Die Ereignisse dieser Woche zeigen jedoch eine andere Realität: Die Verwundbarkeit liegt häufig nicht im gesamten Übertragungsnetz, sondern in einzelnen lokalen Knotenpunkten, Leitungen, Trafostationen und technischen Anlagen.
Ein umgestürzter Baum, ein defektes Kabel, ein Kurzschluss oder ein beschädigtes Umspannwerk kann ausreichen, um einen Ortsteil für Stunden vom Netz zu nehmen. Und genau diese kleinen Stromausfälle sind es, die in der öffentlichen Berichterstattung häufig untergehen.


