Die militärische Lage in der Ostsee sorgt erneut für Aufmerksamkeit. Russland hat mit der Fregatte „Admiral Kasatonow“ ein weiteres Kriegsschiff seiner Nordflotte in die Region verlegt. Das Schiff wurde zusammen mit einem Tanker vor der deutschen Ostseeinsel Fehmarn gesichtet. Es ist bereits das zweite russische Kriegsschiff, das innerhalb weniger Wochen in die Ostsee entsandt wurde. Die „Admiral Kasatonow“ gehört zu den modernen russischen Lenkwaffenfregatten. Das 2020 in Dienst gestellte Schiff kann nach russischen Angaben unter anderem Kalibr-Marschflugkörper und Hyperschallraketen vom Typ Zirkon einsetzen.
Warum Moskau das Kriegsschiff in die Ostsee verlegt hat, wurde offiziell bislang nicht erklärt. Die Präsenz vor Fehmarn fällt allerdings in eine Phase zunehmender Spannungen zwischen Russland und westlichen Staaten.
Zweites russisches Kriegsschiff innerhalb weniger Wochen
Bereits Ende Juli war mit dem Zerstörer „Admiral Lewtschenko“ ein weiteres Schiff der russischen Nordflotte in die Ostsee geschickt worden. Das Vorgehen wird insbesondere vor dem Hintergrund der russischen sogenannten Schattenflotte beobachtet. Russland setzt nach vorliegenden Berichten zunehmend Kriegsschiffe ein, um Tanker und andere Handelsschiffe zu begleiten, die für den russischen Öl- und Warenexport von Bedeutung sind. Westliche Staaten versuchen gleichzeitig, Schiffe wegen möglicher Umgehung von Sanktionen zu kontrollieren oder festzusetzen.
Putin droht mit Vergeltungsmaßnahmen
Parallel zur zunehmenden russischen Marinepräsenz verschärft Moskau seine Rhetorik. Präsident Wladimir Putin drohte westlichen Staaten mit sogenannten „spiegelbildlichen Maßnahmen“, sollten russische Handelsschiffe beschlagnahmt werden. Putin machte deutlich, dass eine mögliche russische Reaktion nicht zwingend auf jene Gewässer beschränkt bleiben müsse, in denen russische Schiffe festgesetzt würden. Damit erhält der Streit um die Schattenflotte eine zusätzliche sicherheitspolitische Dimension.
Noch weiter ging der frühere russische Präsident Dmitri Medwedew. Er stellte öffentlich das Recht Russlands heraus, gegen Schiffe vorzugehen, die aus Moskauer Sicht feindliche Staaten unterstützen. Solche Äußerungen verschärfen die ohnehin angespannte Situation auf den europäischen Seewegen.
Ostsee wird zum sicherheitspolitischen Brennpunkt
Die Entwicklung ist insbesondere für Deutschland und die NATO relevant. Die Ostsee ist eine wichtige Verkehrs- und Handelsroute, gleichzeitig befinden sich mehrere NATO- und EU-Staaten unmittelbar an ihren Küsten. Experten sehen in der russischen Marinepräsenz daher nicht automatisch eine konkrete Vorbereitung auf einen Angriff, sondern auch ein Mittel, Druck aufzubauen, Unsicherheit zu erzeugen und westliche Maßnahmen gegen die russische Schattenflotte zu erschweren. Die zunehmende Präsenz russischer Kriegsschiffe zeigt jedoch, wie stark sich die sicherheitspolitische Lage in der Ostsee seit Beginn des Ukraine-Krieges verändert hat.


