Mutmaßliche Sabotage an Stromanlagen

Nach dem großflächigen Stromausfall in Reutlingen weiten die Ermittler ihre Untersuchungen aus. Neue Hinweise deuten darauf hin, dass Unbekannte bereits Tage vor dem Brandanschlag auf das Umspannwerk Reutlingen-West auch ein Umspannwerk bei Münsingen ins Visier genommen haben könnten. Die Sicherheitsbehörden prüfen nun, ob ein Zusammenhang zwischen den Vorfällen besteht.

Stromausfall in Reutlingen löst umfangreiche Ermittlungen aus

Der Brand im Umspannwerk Reutlingen-West hatte Anfang Juni einen massiven Stromausfall ausgelöst. Tausende Haushalte in Reutlingen sowie in umliegenden Gemeinden waren zeitweise ohne Strom. Die Ermittler gehen inzwischen von vorsätzlicher Brandstiftung aus. Nach Angaben der Behörden wurden mehrere Brandstellen entdeckt, zudem gab es Hinweise auf ein gewaltsames Eindringen in die Anlage.

Zaun in Münsingen aufgeschnitten

Besonders brisant ist nun ein Vorfall im Umspannwerk bei Münsingen im Landkreis Reutlingen. Dort sollen Unbekannte bereits Ende Mai den Sicherheitszaun aufgeschnitten und Kupferkabel entwendet haben. Münsingens Bürgermeister Mike Münzing bestätigte den Vorfall gegenüber dem SWR.

Der zuständige Netzbetreiber Netze BW bewertet den Fall bislang als Kabeldiebstahl. Ob die Täter tatsächlich dieselben Personen sind, die später den Brandanschlag in Reutlingen verübten, ist derzeit offen. Die Generalstaatsanwaltschaft Stuttgart äußert sich zu diesem Punkt bislang nicht.

Ermittler prüfen weitere Sabotageversuche

Die Ermittlungen konzentrieren sich inzwischen nicht mehr nur auf Reutlingen. Nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft gibt es Hinweise darauf, dass auch an anderen Stromanlagen in der Region Beschädigungen festgestellt wurden. Diese Spuren würden derzeit ausgewertet und zeitlich eingeordnet. Damit wächst die Sorge vor gezielten Angriffen auf die Energieinfrastruktur in Baden-Württemberg. Die Behörden sprechen zwar noch nicht offiziell von einer koordinierten Sabotageserie, schließen diese Möglichkeit aber auch nicht aus.

Auch Vorfälle in Regensburg im Fokus

Zusätzliche Aufmerksamkeit erhalten die Ermittlungen durch ähnliche Vorfälle in Bayern. In Regensburg wurden in derselben Nacht wie in Reutlingen Stromleitungen in der Nähe eines Wasserkraftwerks angezündet. Außerdem versuchten Unbekannte, einen Strommast in Brand zu setzen. Das Bayerische Landeskriminalamt prüft nach SWR-Informationen, ob zwischen den Taten in Regensburg und dem Anschlag in Reutlingen ein Zusammenhang besteht. Eine offizielle Bestätigung dafür gibt es bislang nicht.

Kritische Infrastruktur im Visier?

Der Fall zeigt, wie verwundbar die Stromversorgung sein kann. Sicherheitsexperten und Behörden beobachten die Entwicklung mit großer Sorge. Bereits nach dem Stromausfall in Reutlingen waren Polizei und Staatsschutz verstärkt an kritischen Infrastrukturen im Einsatz. Die Ermittlungen laufen weiterhin in alle Richtungen. Die Fahnder suchen nach den Verantwortlichen und prüfen sowohl politische Motive als auch andere Hintergründe. Festnahmen gab es bislang nicht.

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