Schweden treibt Atomkraft-Ausbau voran

Schweden setzt seinen Kurs zum Ausbau der Kernenergie konsequent fort. Mit Nordic Baseload Power hat nun bereits das vierte Unternehmen einen Antrag auf staatliche Unterstützung für ein neues Atomkraftprojekt eingereicht. Geplant ist der Bau von zwei leistungsstarken Reaktoren am traditionsreichen Standort Barsebäck im Süden des Landes, wo die früheren Kernkraftwerke bereits stillgelegt werden und sich derzeit im Rückbau befinden. Die beiden neuen Anlagen sollen zusammen eine elektrische Leistung von rund 2.500 Megawatt liefern und damit einen wichtigen Beitrag zur künftigen Stromversorgung leisten.

Regierung startet Prüfverfahren – EU muss zustimmen

Mit dem Eingang des Antrags beginnt für die schwedische Regierung nun die offizielle Prüfung des Projekts. In den kommenden Monaten sollen Umfang und Bedingungen einer möglichen staatlichen Förderung mit dem Unternehmen ausgehandelt werden. Parallel dazu wird die Europäische Kommission eingebunden, da sämtliche Fördermaßnahmen mit den europäischen Beihilfevorschriften vereinbar sein müssen. Finanzmarktminister Niklas Wykman begrüßte das anhaltend hohe Interesse privater Investoren an neuen Kernkraftwerken und bezeichnete eine stabile Stromerzeugung als entscheidend für Schwedens Energiezukunft.

Barsebäck könnte als Atomstandort zurückkehren

Der Standort Barsebäck blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Die beiden dort errichteten Siedewasserreaktoren gingen in den 1970er-Jahren ans Netz, wurden jedoch 1999 beziehungsweise 2005 vorzeitig abgeschaltet. Ausschlaggebend waren vor allem politische Spannungen und Sicherheitsbedenken des benachbarten Dänemarks.

Heute gilt das Gelände erneut als aussichtsreicher Standort für moderne Kerntechnik. Die Gemeinde Kävlinge und Nordic Nuclear Energy, ein Schwesterunternehmen von Nordic Baseload Power, hatten bereits Anfang des Jahres eine Absichtserklärung unterzeichnet, um die Möglichkeiten für eine Neuansiedlung von Kernkraftwerken zu prüfen. Die bestehende Infrastruktur und vorhandene Genehmigungsgrundlagen verschaffen Barsebäck dabei erhebliche Vorteile gegenüber anderen Standorten.

Moderne Reaktortechnik für den nordischen Energiemarkt

Nordic Nuclear Energy entwickelt mit dem Reaktorkonzept BWR-N einen modernen Siedewasserreaktor, der speziell auf die regulatorischen Anforderungen und klimatischen Bedingungen der nordischen Länder zugeschnitten ist. Das Konzept basiert auf bewährter schwedischer Reaktortechnologie und soll künftig in Serie gebaut werden, um Bauzeiten und Kosten deutlich zu reduzieren.

Langfristig plant das Unternehmen insgesamt vier dieser Großreaktoren – jeweils zwei in Schweden und Finnland. Parallel arbeitet die Firmengruppe zudem an kleinen modularen Reaktoren und Mikroreaktoren für Industrie- und Spezialanwendungen.

Schweden setzt auf Renaissance der Kernenergie

Seit dem Regierungswechsel im Jahr 2022 verfolgt Schweden eine deutlich kernkraftfreundlichere Energiepolitik. Die Regierung strebt an, bis 2035 neue Kernkraftkapazitäten in der Größenordnung von mindestens zwei Großreaktoren zu errichten. Bis 2045 soll die Leistung sogar dem Bau von bis zu zehn großen Reaktoren entsprechen – wobei auch Small Modular Reactors (SMR) berücksichtigt werden können.

Ermöglicht wird dies durch ein neues Fördergesetz, das seit August 2025 staatliche Finanzhilfen für Neubauprojekte vorsieht. Seitdem wächst das Interesse der Branche kontinuierlich. Vor dem aktuellen Antrag hatten bereits Projekte in Ringhals, Norrsundet sowie Standorte von Studsvik Förderanträge eingereicht. Mit der nun vierten Bewerbung zeichnet sich immer deutlicher ab, dass Schweden seine Kernenergie-Offensive konsequent vorantreibt, um den steigenden Strombedarf von Industrie und Gesellschaft langfristig abzusichern und gleichzeitig die Klimaziele zu unterstützen.

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