Mexikos Drogenboss „El Mencho“ getötet

Ein Schlag gegen das organisierte Verbrechen – mit unabsehbaren Folgen: Der mexikanische Drogenboss Nemesio Oseguera Cervantes, besser bekannt als „El Mencho“, ist bei einem Militäreinsatz ums Leben gekommen. Das teilte das Verteidigungsministerium in Mexiko-Stadt mit. Der Anführer des berüchtigten Cártel Jalisco Nueva Generación (CJNG) erlag demnach seinen Verletzungen, nachdem er in der Gemeinde Tapalpa im Bundesstaat Jalisco gefasst worden war.

Spezialeinheit greift zu – mehrere Tote bei Zugriff

Die Operation wurde von einer militärischen Sondereinheit durchgeführt. Neben Oseguera kamen laut offiziellen Angaben sechs weitere mutmaßliche Kartellmitglieder ums Leben, zwei wurden festgenommen. Drei Soldaten wurden verletzt und in ein Krankenhaus gebracht.

US-Behörden unterstützten den Zugriff nach Angaben beider Regierungen mit geheimdienstlichen Informationen. Auf Oseguera war in den Vereinigten Staaten ein Kopfgeld von 15 Millionen Dollar ausgesetzt – er galt als einer der gefährlichsten Drogenbosse weltweit.

Feuer, Chaos und brennende Fahrzeuge in mehreren Bundesstaaten

Der Tod des Kartellchefs löste umgehend eine Welle der Gewalt aus. Mitglieder des CJNG errichteten in mehreren Bundesstaaten Barrikaden aus brennenden Autos, Lastwagen und Bussen. Betroffen waren neben Jalisco auch Michoacán, Aguascalientes, Tamaulipas und Guanajuato.

Straßen wurden blockiert, Fahrzeuge in Brand gesetzt, Geschäfte geschlossen. In der Regionalhauptstadt Guadalajara blieben viele Straßen menschenleer. Schulen setzten den Präsenzunterricht aus, Großveranstaltungen wurden abgesagt. Auch Spiele im Vorfeld der anstehenden Fußball-Weltmeisterschaft sind betroffen.

Eine Tankstellenmitarbeiterin berichtete, bewaffnete Männer hätten die Station gestürmt und alle Anwesenden zum Verlassen des Geländes gezwungen, bevor sie das Gebäude in Brand setzten. „Ich dachte, sie würden uns entführen“, sagte sie lokalen Medien.

Internationale Warnungen und Flugausfälle

Die Sicherheitslage spitzte sich derart zu, dass die US-Botschaft in Mexiko ihre Staatsbürger zur Vorsicht aufrief. Auch Kanada und Deutschland warnten vor Reisen in betroffene Regionen. Mehrere nordamerikanische Fluggesellschaften – darunter United, Southwest und Air Canada – strichen Flüge nach Puerto Vallarta, Guadalajara und Manzanillo. Teilweise kehrten Maschinen auf halber Strecke um.

Vom Polizisten zum Kartellboss

Oseguera, einst Polizist, hatte sich nach Stationen beim Sinaloa-Kartell im Jahr 2007 mit der Gründung des CJNG selbstständig gemacht. Seine Organisation entwickelte sich binnen weniger Jahre zu einer der mächtigsten und brutalsten kriminellen Strukturen Mexikos. Die USA stuften das Kartell als ausländische Terrororganisation ein.

Dem CJNG werden zehntausende Morde zugeschrieben. Gegner wurden öffentlich zur Abschreckung hingerichtet. Das Kartell kontrolliert zentrale Routen für den Schmuggel von Kokain, Heroin, Methamphetamin und Fentanyl in die USA. Zudem ist es in Menschenhandel, Waffenhandel, Entführungen und Geldwäsche verwickelt. Die Gruppe verfügt über paramilitärische Ausrüstung, darunter gepanzerte Fahrzeuge und schwere Waffen.

Droht nun ein blutiger Machtkampf?

Mit dem Tod „El Menchos“ endet zwar die Ära eines der mächtigsten Drogenbosse Mexikos – doch Experten warnen vor einer neuen Eskalationsstufe. Ein interner Machtkampf um die Nachfolge könnte das Land weiter destabilisieren. Vergleichbare Entwicklungen gab es nach der Auslieferung von Joaquín „El Chapo“ Guzmán, dem früheren Chef des Sinaloa-Kartells, an die USA – mit tausenden weiteren Todesopfern.

Ob die Tötung Osegueras langfristig zu einer Schwächung des CJNG führt oder einen blutigen Verteilungskrieg entfacht, bleibt offen. Sicher ist nur: Die Gewaltspirale in Mexiko dreht sich weiter.

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