Pannen-Reaktor Cattenom bleibt am Netz

Cattenom. Frankreich treibt den Ausbau der Atomenergie weiter voran – und hält zugleich an umstrittenen Altreaktoren fest. Wie der „Volksfreund“ berichtet, sieht der neue Energieplan vor, nach 2038 zunächst acht neue Atomreaktoren ans Netz zu bringen. Zusätzlich bestehe die Option auf bis zu acht weitere Blöcke. Parallel werden die Ausbauziele für Photovoltaik zurückgeschraubt.

Cattenom soll bis zu 60 Jahre laufen

Besonders brisant aus deutscher Sicht: Das grenznahe Kernkraftwerk Cattenom bleibt länger in Betrieb als bislang bekannt. Der Reaktorstandort unweit von Rheinland-Pfalz gilt seit Jahren als störanfällig. Nach Angaben des „Volksfreund“ unter Berufung auf den Saarländischen Rundfunk soll die Laufzeit einzelner Blöcke nun auf bis zu 60 Jahre verlängert werden. Vertreter des Betreibers Électricité de France (EDF) erklärten demnach, Cattenom könne „bis 2047 – und länger“ betrieben werden.

Bereits im vergangenen Jahr war entschieden worden, dass der als pannenanfällig kritisierte Standort weitere 50 Jahre am Netz bleiben darf – trotz Protesten aus Rheinland-Pfalz. Nun droht eine weitere Verlängerung.

Jahrzehnte voller Störfälle

Cattenom ging in den 1980er-Jahren ans Netz. Der erste Reaktorblock wurde 1979 begonnen und 1986 in Betrieb genommen – in einer Zeit stark steigender Ölpreise infolge der zweiten Ölkrise, was die Atomkraft wirtschaftlich attraktiv machte.

Seitdem kam es immer wieder zu meldepflichtigen Ereignissen. Die französische Atomaufsicht Autorité de sûreté nucléaire (ASN) dokumentierte zahlreiche Vorfälle unterschiedlicher INES-Stufen. Kritiker sehen insbesondere Defizite bei der Erdbebensicherheit. EDF stuft die Anlage als bis Stärke 5,4 erdbebensicher ein – Experten und Politiker in Deutschland äußern dennoch regelmäßig Zweifel.

Atom-Offensive mit Signalwirkung

Der energiepolitische Kurswechsel in Paris ist deutlich: Statt Reaktoren wie ursprünglich geplant schrittweise stillzulegen, setzt Frankreich auf Neubau und Laufzeitverlängerung. Nach 2038 sollen acht neue Reaktoren ans Netz gehen, weitere acht sind optional. Gleichzeitig werden Photovoltaik-Ziele reduziert.

Für die Bundesregierung und die Landespolitik in Rheinland-Pfalz und dem Saarland dürfte das Thema erneut brisant werden. Die Nähe Cattenoms zur deutschen Grenze sorgt seit Jahren für politische Spannungen.

Frankreich positioniert sich damit als konsequenter Verfechter der Kernenergie in Europa – trotz steigender Baukosten, langer Realisierungszeiten und anhaltender Sicherheitsdebatten.

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