Hunderte Islamisten aus Syrien zurückgekehrt

Rund 400 frühere Dschihadisten aus Deutschland leben nach Recherchen des Tagesspiegel wieder in der Bundesrepublik – eine Zahl, die Sicherheitsbehörden alarmiert. Experten warnen vor erheblichen Gefahren durch radikalisierte Rückkehrer, zumal zuletzt offenbar mehreren Islamisten die Flucht aus Gefängnissen in Syrien gelungen sein soll.

Die Gewerkschaft der Polizei schlägt Alarm: Einzelne Rückkehrer könnten „auf Rache sinnen“. Auch das Bundesamt für Verfassungsschutz verweist auf ein hohes Gefährdungspotenzial. Viele Heimkehrer seien militärisch geschult, ideologisch verhärtet und durch Kriegserlebnisse traumatisiert – eine Kombination, die das Risiko extremistischer Gewalttaten erhöhe.

Nach Angaben des Bundesministerium des Innern reisten seit 2011 insgesamt rund 1.150 Islamisten aus Deutschland nach Syrien und in den Irak. Etwa ein Viertel von ihnen kam im Krieg ums Leben. Über 470 Personen kehrten demnach in die Bundesrepublik zurück, rund 30 von ihnen verließen Deutschland später erneut – darunter auch Abgeschobene. Die nun kursierende Zahl von mindestens 400 dauerhaft hier lebenden Rückkehrern speist sich aus Regierungsangaben und Informationen syrischer Konfliktparteien.

Schätzungen zufolge machten sich insgesamt rund 1.500 Männer und Frauen aus Deutschland auf den Weg in die Kriegsgebiete. Die meisten schlossen sich dschihadistischen Gruppierungen an, vor allem dem sogenannten Islamischer Staat, der zwischen 2014 und 2019 weite Teile Syriens und des Iraks kontrollierte und ein Terrorregime errichtete.

Die Sicherheitslage wird zusätzlich durch die instabile Situation in Syrien verschärft. Nach dem Sturz von Baschar al-Assad übernahmen Ende 2024 islamistische Kräfte unter Führung von Ahmed al-Scharaa große Teile des Landes. Die neue Führung setzt auf einen zentralistischen Staat und lehnt föderale Modelle ab – ein politischer Kurs, der die Spannungen im Land weiter anheizt.

Vor diesem Hintergrund wächst in Deutschland die Sorge vor einer neuen sicherheitspolitischen Belastungsprobe. Behörden stehen vor der Herausforderung, Rückkehrer konsequent zu überwachen, mögliche Straftaten aufzuarbeiten und Radikalisierungsnetzwerke frühzeitig zu erkennen. Sicherheitsexperten warnen: Die Gefahr durch jihadistisch geprägte Heimkehrer sei real – und könne sich durch neue Fluchtbewegungen aus syrischen Haftanstalten weiter verschärfen.

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