Polen nach Cyberangriff kurz vor Blackout

Warschau. Polen ist nach Angaben der Regierung Ende Dezember nur knapp an einem landesweiten Stromausfall vorbeigeschrammt. Vize-Ministerpräsident und Digitalminister Krzysztof Gawkowski hat in einem Radiointerview erstmals öffentlich gemacht, dass das polnische Energiesystem Ziel eines massiven Cyberangriffs war. „Wir standen kurz vor einem Blackout“, sagte Gawkowski dem Sender RMF FM und sprach von dem schwersten digitalen Angriff auf die Energieinfrastruktur des Landes bislang.

Nach Darstellung des Ministers handelte es sich um eine gezielte und koordinierte Sabotageaktion aus Russland. Ziel sei es gewesen, die Stromversorgung der Bevölkerung kurz vor dem Jahreswechsel zu destabilisieren und landesweit Chaos auszulösen. Die Angreifer hätten versucht, die digitale Kommunikation zwischen Stromerzeugern und Netzbetreibern lahmzulegen. Gawkowski warnte eindringlich vor der neuen Dimension dieser Bedrohung und sprach von „digitalen Panzern“, die längst im Einsatz seien.

Nur durch das schnelle Eingreifen der polnischen Cybersicherheitsdienste und der Energiebetreiber sei es gelungen, einen großflächigen Stromausfall zu verhindern. Auch Energieminister Milosz Motyka bestätigte den Vorfall und bezeichnete die Attacken als technisch hochkomplex und außergewöhnlich ernst. Betroffen gewesen seien sowohl ein großes Heizkraftwerk als auch zahlreiche kleinere, landesweit verteilte Anlagen erneuerbarer Energien.

Trotz der Brisanz des Vorfalls bemühte sich die Regierung um Beruhigung. Polen sei auf solche Szenarien vorbereitet, betonte Gawkowski. Es gebe keinen Anlass zur Panik, auch wenn die Zahl und Intensität von Cyberangriffen auf kritische Infrastrukturen spürbar zunehme. Der Vorfall zeigt jedoch, wie verwundbar selbst zentrale Versorgungssysteme geworden sind und wie eng Cyberkrieg und Energiesicherheit inzwischen miteinander verknüpft sind.

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