Frielendorf. Der Ausbau der Windenergie stößt in Deutschland weiterhin auf Widerstände – teils auch mit kriminellen Mitteln. Beim geplanten Windpark Waltersberg zwischen Linsingen und Michelsberg sieht sich der Projektentwickler iTerra Energy gleich mit mehreren mutmaßlichen Sabotageakten konfrontiert. Polizei und Staatsschutz ermitteln.
Das Gießener Unternehmen plant in dem Waldgebiet den Bau von acht Windenergieanlagen. Die Vorbereitungen für die Rodungsarbeiten laufen bereits seit dem Spätsommer 2025. Doch nach Angaben des Betreibers kam es seitdem zu zwei gezielten Eingriffen in die Bauvorbereitungen, die den Zeitplan erheblich hätten gefährden können.
Manipulation an Markierungen hätte Bau verzögert
Nach Unternehmensangaben wurden zunächst Markierungspflöcke, die für die Abgrenzung der Rodungs- und Bauflächen gesetzt worden waren, unbemerkt versetzt. Die Abweichung fiel erst bei verstärkten Kontrollen auf. Wäre die veränderte Baufeldgrenze nicht rechtzeitig entdeckt worden, hätte sich das gesamte Projekt um bis zu ein Jahr verzögern können.
Die Markierungen waren bereits im Sommer 2025 gesetzt worden, unter anderem zur Vorbereitung von Amphibienzäunen und weiteren naturschutzrechtlichen Maßnahmen.
Sabotage an Baumaschine – mögliche Gefahr für Menschen
Wenige Monate später kam es zu einem weiteren Vorfall: Unbekannte manipulierten nachts eine Forstmaschine, die beim Aufbau von Schutzeinrichtungen im Gelände eingesetzt wird. Nach Angaben des Unternehmens bestand dadurch potenziell erhebliche Gefahr für Beschäftigte sowie für Sachwerte. Nur durch eine rechtzeitige Kontrolle seien größere Schäden verhindert worden.
Die Polizeidirektion bestätigte beide Vorkommnisse. Aufgrund möglicher politischer Motive hat der Staatsschutz die Ermittlungen übernommen. Zu Tätern oder Hintergründen gibt es bislang keine Erkenntnisse.
Projekt seit Jahren in Planung
Der Windpark Waltersberg befindet sich bereits seit rund einem Jahrzehnt in der Entwicklungsphase. Die Planungen begannen 2016. Noch in diesem Jahr sollen die Fundamente gegossen und der Aufbau der Anlagen starten. Die Inbetriebnahme ist derzeit für 2027 vorgesehen.
Geplant sind acht Windenergieanlagen des Typs Vestas V150-6.0. Nach Angaben des Betreibers könnte der Windpark jährlich rund 98.000 Megawattstunden Strom erzeugen und damit einen Beitrag zur regionalen Energieversorgung leisten.
Zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen und Naturschutzauflagen
Nach den Vorfällen hat iTerra Energy die Überwachung der Baustelle deutlich verstärkt. Das Unternehmen spricht von einer unnötigen Gefährdung für Menschen, Umwelt und Projektablauf.
Parallel sind umfangreiche Ausgleichsmaßnahmen vorgesehen: Unter anderem sollen Ersatzlebensräume für die Waldschnepfe geschaffen, Fledermauskästen installiert und Rückzugsorte für die Wildkatze eingerichtet werden. Die Rodungsarbeiten sind für das erste Quartal geplant.
Der Fall zeigt exemplarisch, wie angespannt der Ausbau erneuerbarer Energien in manchen Regionen weiterhin ist – und wie Konflikte um Flächen, Naturschutz und Energiepolitik zunehmend auch die Sicherheitsbehörden beschäftigen.


