Verheerende Waldbrände in Patagonien

Im Süden Argentiniens spitzt sich eine dramatische Umweltkatastrophe zu. Seit Tagen wüten massive Waldbrände in der Region Patagonien nahe der Grenze zu Chile und haben bereits riesige Landstriche verwüstet. Nach Angaben der Behörden sind bislang mehr als 5.500 Hektar Wald verbrannt, andere Stellen sprechen inzwischen von bis zu 15.000 zerstörten Hektar. Tausende Menschen mussten in Sicherheit gebracht werden, darunter mehr als 3.000 Urlauber. Die Lage gilt weiterhin als äußerst angespannt.

Ausgebrochen waren die Brände am Montag in Puerto Patriada, rund 1.700 Kilometer südlich von Buenos Aires. Starker Wind, extreme Trockenheit und dichter Rauch treiben die Flammen immer weiter voran und machen die Löscharbeiten zu einem Wettlauf gegen die Zeit. Lokale Medien sprechen bereits von der schwersten Tragödie in der Region seit zwei Jahrzehnten. Besonders schmerzhaft ist der Verlust großer, dicht bewaldeter Gebiete, in denen teils mehrere hundert Jahre alte Bäume den Flammen zum Opfer gefallen sind.

Besonders hart getroffen ist die Provinz Chubut. Gouverneur Ignacio Torres bezeichnete die Situation als eine der gravierendsten Umweltkrisen, die die Region je erlebt habe. Jeder einzelne Brandherd breite sich „exponentiell“ aus und sei kaum zu kontrollieren. Gleichzeitig leidet Patagonien unter einer extremen Dürre, die nach offiziellen Angaben die schlimmste seit 1965 ist. Torres warnte eindringlich davor, die Folgen des Klimawandels weiterhin zu verharmlosen. Die Brände bedrohen inzwischen nicht nur Wälder, sondern auch kritische Infrastruktur wie ein Kraftwerk, eine Schule und zahlreiche ländliche Anwesen. Mindestens zehn Häuser wurden bereits zerstört.

Der Kampf gegen die Flammen läuft auf Hochtouren. Mehr als 500 Feuerwehrleute, Polizisten und Helfer sind im Einsatz, unterstützt von rund 15 Löschflugzeugen und Spezialfahrzeugen. Auch das argentinische Militär hilft bei der Logistik. Dennoch ist die Lage gefährlich: Ein Feuerwehrmann erlitt schwere Verbrennungen und musste in ein Krankenhaus eingeliefert werden. In einigen Teilen Patagoniens hat einsetzender Regen die Situation leicht entspannt, doch von Entwarnung kann keine Rede sein.

Auch andere Provinzen sind betroffen. In Neuquén wüten ebenfalls Waldbrände, während Santa Cruz und Río Negro meldeten, ihre Feuer unter Kontrolle gebracht zu haben. Der Ausnahmezustand bleibt dort jedoch bestehen, da sich die Lage jederzeit wieder verschärfen kann.

Politisch ist die Situation hochbrisant. Die argentinische Regierung geht nach eigenen Angaben davon aus, dass die Brände vorsätzlich gelegt wurden. Hinweise deuteten auf radikale Gruppen aus dem Umfeld des indigenen Volks der Mapuche hin. Gouverneur Torres kündigte eine harte Linie an und erklärte, die Verantwortlichen würden zur Rechenschaft gezogen. Für sachdienliche Hinweise setzte die Provinz eine Belohnung von 50 Millionen Pesos aus, umgerechnet rund 29.000 Euro.

Radikale Mapuche-Gruppen kämpfen seit Jahrzehnten im Süden Argentiniens und Chiles für die Rückgabe traditioneller Gebiete. Immer wieder kommt es in diesem Zusammenhang zu Brandanschlägen, Landbesetzungen und Auseinandersetzungen mit Sicherheitskräften. Die aktuellen Vorwürfe drohen den ohnehin angespannten Konflikt weiter zu verschärfen.

Während Ermittler nach den Ursachen suchen, kämpfen Einsatzkräfte weiter gegen die Flammen. Patagonien erlebt derzeit eine Krise, die nicht nur Menschenleben und Existenzen bedroht, sondern auch eines der ökologisch wertvollsten Gebiete Südamerikas nachhaltig zerstört.

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