Tagesgeld: Niedrigzinsen auf dem Vormarsch

Heidelberg. Sparer in Deutschland geraten zunehmend unter Druck: Immer mehr Banken zahlen auf Tagesgeld faktisch keine Zinsen mehr. Nach einer aktuellen Auswertung des Vergleichsportals Verivox bieten inzwischen 36 Prozent aller Kreditinstitute lediglich eine Verzinsung zwischen null und 0,25 Prozent an. Noch vor einem Jahr lag dieser Anteil bei 24 Prozent. Besonders schlecht schneiden dabei Sparkassen ab.

Für die Analyse wurden die Konditionen von 823 Banken und Sparkassen untersucht, darunter 322 öffentlich-rechtliche Institute. Das Ergebnis fällt für viele Kunden ernüchternd aus: Von den Sparkassen zahlen 136 Häuser auf Tagesgeld lediglich Mini-Zinsen im Bereich von null bis 0,25 Prozent. Das entspricht einem Anteil von 42 Prozent. Auch bei den regionalen Genossenschaftsbanken – darunter Volks- und Raiffeisenbanken – ist die Entwicklung deutlich: 153 Institute beziehungsweise 38 Prozent bewegen sich ebenfalls im Niedrigzinsbereich.

Während zahlreiche regionale Geldhäuser ihre Tagesgeldzinsen weiter gekürzt haben, zeigen sich bundesweit verfügbare Angebote etwas attraktiver. Im Durchschnitt erhalten Sparer hier aktuell 1,29 Prozent Zinsen. Das ist zwar ein leichter Anstieg gegenüber Anfang August, als der Schnitt noch 0,13 Prozentpunkte niedriger lag, bleibt aber deutlich hinter früheren Hochphasen zurück. Hintergrund ist die jüngste Zinspolitik der Europäischen Zentralbank, die ihre Leitzinsen zuletzt unverändert ließ.

Bei regionalen Banken ging die Entwicklung hingegen weiter nach unten. Genossenschaftsbanken senkten ihre durchschnittliche Tagesgeldverzinsung von 0,43 auf 0,42 Prozent, Sparkassen reduzierten sie von 0,38 auf 0,37 Prozent. Für viele Kunden bedeutet das: Real verlieren ihre Ersparnisse angesichts der Inflation weiter an Kaufkraft.

Stabiler zeigt sich hingegen der Markt für Festgeld. Zweijährige Festgeldanlagen bringen im bundesweiten Durchschnitt derzeit 2,02 Prozent Zinsen. Sehr langfristige Anlagen mit zehnjähriger Laufzeit liegen bei etwa 2,42 Prozent. Allerdings zahlen regionale Institute auch hier deutlich weniger als der Marktdurchschnitt. Genossenschaftsbanken verzinsen zweijähriges Festgeld im Schnitt mit 1,54 Prozent, Sparkassen sogar nur mit 1,47 Prozent. Bei zehnjähriger Laufzeit liegen die Zinsen bei 2,19 Prozent im genossenschaftlichen Sektor und 2,27 Prozent bei Sparkassen.

Die Zahlen zeigen eine klare Schere: Während Direktbanken und bundesweite Anbieter zumindest moderate Zinsen bieten, geraten klassische Filialbanken zunehmend ins Hintertreffen. Für Sparer wird es damit immer wichtiger, Konditionen genau zu vergleichen – andernfalls droht das Geld auf dem Konto schleichend an Wert zu verlieren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert