Supermärkte: Warenfluss in Krisen steuerbar

Manchester. Supermarktketten stehen in Krisenzeiten oft vor der gleichen Herausforderung: Wenn ein Teil der Lieferkette ausfällt, etwa durch Streiks, Naturkatastrophen oder geopolitische Konflikte, drohen leere Regale, hohe Zusatzkosten und steigende Emissionen. Doch Forscher der Alliance Manchester Business School haben nun ein Modell entwickelt, das genau diese Probleme lösen soll – mithilfe von Spieltheorie.

Das Forschungsteam um Arijit De hat untersucht, wie Unternehmen ihre Lager- und Liefernetzwerke so organisieren können, dass sie auch bei Störungen funktionsfähig, kosteneffizient und umweltfreundlich bleiben. Ihr Ansatz: Eine intelligente Kooperation zwischen den Lagerhäusern.

Spieltheorie als Schlüssel für stabile Lieferketten

In klassischen Liefernetzwerken stützen sich Händler auf eine Mischung aus zuverlässigen, aber teuren Zentrallagern und kostengünstigeren, aber störungsanfälligen Unterzentren. Wenn eines dieser Zentren ausfällt, entstehen schnell Engpässe – die Folge sind Notfalltransporte, steigende Kosten und mehr CO₂-Ausstoß.

Das Forscherteam nutzte daher die Spieltheorie, um zu analysieren, wann und wie Lagerhäuser in Krisensituationen kooperieren und ihre Bestände miteinander teilen können. Auf dieser Grundlage entwickelten sie ein Optimierungsmodell, das den effizientesten Weg berechnet, Waren in einem gestörten Netzwerk zu verteilen.

Praxisversuch mit britischem Einzelhändler

Das Modell wurde anhand realer Daten eines großen britischen Supermarktunternehmens getestet – mit beeindruckendem Ergebnis. Durch gezielte, temporäre Zusammenarbeit zwischen den Lagerhäusern konnte der Händler Kosten erheblich senken, Lieferengpässe vermeiden und gleichzeitig den CO₂-Fußabdruck reduzieren.

„Unsere Methode zeigt, dass sich wirtschaftliche Stabilität und ökologische Nachhaltigkeit nicht ausschließen müssen“, erklärt Studienleiter De. „Unternehmen können Geld sparen, Emissionen senken und zugleich krisenfester werden.“

Nachhaltig und resilient – kein Widerspruch mehr

Viele Unternehmen gehen bislang davon aus, dass mehr Resilienz auch höhere Kosten bedeutet – etwa durch zusätzliche Lagerhaltung oder redundante Strukturen. Die neue Studie widerlegt dieses Denken: Wer frühzeitig auf intelligente, kooperative Netzwerke setzt, kann sowohl die Umwelt entlasten als auch den Gewinn steigern.

Das Modell liefert somit eine praxisnahe Blaupause für zukunftsfähige Lieferketten – ein Konzept, das nicht nur für Supermärkte, sondern für ganze Industriezweige von Bedeutung sein dürfte.

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