Leverkusen. Die Deutsche Bahn ist erneut Ziel eines massiven Sabotageangriffs geworden. Unbekannte Täter haben in der Nacht auf Montag an der vielbefahrenen Strecke zwischen Düsseldorf und Köln Kabelschächte geöffnet und sämtliche Leitungen mit einem Trennschleifer durchtrennt. Die Folge: Ein Stellwerk in Leverkusen fiel aus – und eine der wichtigsten Bahnverbindungen in Nordrhein-Westfalen kam stundenlang zum Erliegen.
Polizei geht von gezieltem Sabotageakt aus
Zunächst hatte die Bahn von möglichem Vandalismus oder Kabeldiebstahl gesprochen. Inzwischen ist klar: Die Polizei wertet den Vorfall als gezielten Angriff auf die kritische Infrastruktur. Ein politisches Motiv sei nicht auszuschließen, erklärte ein Sprecher. Der Staatsschutz hat die Ermittlungen übernommen.
Die Schäden wurden kurz nach Mitternacht entdeckt. Betroffen waren gleich mehrere Stellen entlang der Strecke bei Leverkusen. Fachkräfte der Bahn sprachen von „umfangreicheren Arbeiten als erwartet“. Erst am Montagabend gegen 18.20 Uhr konnte die Verbindung wieder freigegeben werden.
Pendler und Reisende betroffen – Züge umgeleitet
Für Tausende Pendler und Reisende hatte der Vorfall gravierende Folgen. Regionalzüge wurden großräumig über Neuss umgeleitet, im Fernverkehr liefen die Züge aus dem Ruhrgebiet über Wuppertal. Zusätzlich setzte die Bahn Ersatzbusse ein. Dennoch mussten Fahrgäste teils erhebliche Verspätungen und Umwege in Kauf nehmen.
Serie von Angriffen auf Bahninfrastruktur
Der aktuelle Sabotagefall reiht sich in eine Serie ähnlicher Vorfälle ein. Erst am 13. September war ein Stellwerk an der Strecke Berlin–Hannover durch ein Feuer zerstört worden. Ermittler gehen von Brandstiftung aus. Schon am 31. Juli hatten Flammen in einem Kabelkanal die wichtige Nord-Süd-Trasse zwischen Düsseldorf und Duisburg lahmgelegt. Damals tauchte auf der linken Plattform Indymedia ein Bekennerschreiben eines selbsternannten „Kommandos Angry Birds“ auf.
Ermittler suchen Zeugen
Die Kölner Kriminalpolizei bittet dringend um Hinweise. Zeugen sollen sich telefonisch unter 0221-229 0 oder per E-Mail an poststelle.koeln@polizei.nrw.de
melden.
Mit Blick auf die wiederholten Anschläge fordern Sicherheitsexperten eine stärkere Überwachung der Bahninfrastruktur. Auch die Politik steht unter Druck: Die Bahn gilt als Rückgrat der deutschen Mobilität – und damit als besonders anfällig für Angriffe, die nicht nur Pendler treffen, sondern auch ein Signal an den Staat senden sollen.


