Putin droht Europa offen mit Krieg

Moskau. Noch bevor sich Kremlchef Wladimir Putin zu stundenlangen Gesprächen mit einer amerikanischen Delegation traf, stellte er klar, dass Moskau nur unter seinen eigenen Bedingungen zu einem Frieden bereit sei. In ungewöhnlich aggressivem Ton erklärte Putin am Dienstag, Europa blockiere mit „absolut inakzeptablen Forderungen“ jede Annäherung zwischen Russland und den USA. Damit verschärfte er die Rhetorik gegenüber den europäischen Unterstützern der Ukraine und rückte sie offen in die Rolle eines Kriegsgegners.

Putin behauptete, Russland strebe keinen militärischen Konflikt mit Europa an. Gleichzeitig warnte er, sein Land sei „sofort bereit“, wenn Europa kämpfen wolle. Ein solcher Krieg könne rasch jede Verhandlungsgrundlage zerstören, sagte er vor Reportern in Moskau. Die Drohungen erfolgten unmittelbar vor einem Treffen mit dem US-Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner, dem Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump. Das Gespräch im Kreml blieb am Ende jedoch ohne verwertbares Ergebnis – und Putins Inszenierung, die Delegation Berichten zufolge stundenlang warten zu lassen, unterstrich zusätzlich die politische Härte des Auftritts.

Im Zentrum der Unterredung stand die Frage nach der Zukunft der besetzten ukrainischen Gebiete, die rund 19 Prozent des ukrainischen Staatsgebiets ausmachen. Moskau erhebt Anspruch auf diese Territorien, obwohl die russische Armee sie nicht vollständig kontrolliert. Kreml-Unterhändler Juri Uschakow erklärte danach, einige Formulierungen der USA seien diskutabel. Doch bei Territorialfragen gebe es weiterhin keinerlei Annäherung. Die laufenden Verhandlungen seien zudem geprägt von den jüngsten militärischen Vorstößen Russlands, die der Kreml propagandistisch als strategische Durchbrüche darstellt.

Europa reagierte umgehend auf Putins Drohgebärden. Außenminister Johann Wadephul forderte einen sofortigen Waffenstillstand und kritisierte Putin scharf dafür, keinerlei Bereitschaft zur Beendigung des Angriffskriegs zu zeigen. Deutschland werde den Druck auf Moskau weiter erhöhen. Der ukrainische Botschafter Oleksii Makeiev bezeichnete Putin auf X als „überheblich“ und „übergriffig“ und rief Europa dazu auf, sich nicht einschüchtern zu lassen. Auch Großbritannien wies Putins Vorwürfe entschieden zurück und sprach von gefährlicher, bewusst irreführender Kriegsrhetorik.

Estnische Politiker erinnerten daran, dass Russland seit Jahren auf eine imperiale Großmachtrolle hinarbeite und daher kein Interesse an einem echten Frieden habe. Die Behauptung russischer Erfolge auf dem Schlachtfeld wurde ebenfalls zurückgewiesen. Mehrere westliche Militäranalysten betonten, dass Russland trotz jahrelanger Kämpfe nur rund ein Fünftel der Ukraine kontrolliere und keine strategischen Durchbrüche erzielt habe.

In den USA wächst unterdessen der Druck auf Präsident Trump, seine Russlandpolitik zu verändern. Republikaner wie Newt Gingrich fordern deutlich mehr Militärhilfe für die Ukraine, darunter auch die Lieferung von Marschflugkörpern und härtere Sanktionen gegen Moskau. Nur durch eine drastische Erhöhung der Kriegskosten, so argumentieren sie, könne Putin zu einem Waffenstillstand gezwungen werden. Auch der republikanische Abgeordnete Don Bacon sprach sich für umfassende Sekundärsanktionen aus, um die russische Kriegswirtschaft zu schwächen.

Politikwissenschaftler bewerten die jüngsten Gespräche im Kreml äußerst kritisch. Alexander Dubowy bezeichnete sie als „schändliches Affentheater“, das Moskau nur dazu diene, Zeit zu gewinnen und echten Druck aus dem Westen zu unterlaufen. Auch die russische Analystin Tatjana Stanovaja zeigte sich wenig überrascht. In Putins Sicht gebe es keinerlei Raum für Kompromisse, da er seine Kernforderungen für unverhandelbar halte. Die Gespräche dienten vor allem dazu, dem US-Präsidenten die strategischen roten Linien Russlands direkt zu übermitteln und den Druck auf die Ukraine zu erhöhen, die Bedingungen Moskaus irgendwann zu akzeptieren.

Parallel verschärfte der ehemalige Präsident Dmitri Medwedew die Rhetorik weiter. Auf X bezeichnete er die NATO als „Feind“ und zitierte den Schriftsteller Maxim Gorki: „Wenn der Feind nicht kapituliert, wird er vernichtet.“ Die Aussage wirkte wie eine bewusst gesetzte Eskalation, die die ohnehin angespannte Lage zwischen Russland und dem Westen zusätzlich verschärft.

Insgesamt zeichnen die Vorgänge der letzten Tage ein klares Bild: Moskau setzt weiter auf Härte, Abschreckung und maximale Eskalationsbereitschaft. Der Kreml signalisiert, dass Friedensverhandlungen nur dann denkbar sind, wenn die Ukraine und der Westen Putins Forderungen übernehmen – ein Szenario, das in Europa und den USA derzeit kaum jemand akzeptieren will.

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