In Deutschland wächst die Sorge vor einer neuen, extrem gefährlichen Designer-Droge. Suchtexperten und Mediziner warnen vor der Substanz Cychlorphin, einem synthetischen Opioid, das bereits in kleinsten Mengen lebensbedrohliche Folgen haben kann. Nach ersten Nachweisen im Raum Karlsruhe wurden bundesweit Warnmeldungen herausgegeben.
Bis zu 200-mal stärker als Heroin
Fachleute stufen Cychlorphin als hochpotenten neuen psychoaktiven Stoff ein. Nach bisherigen Einschätzungen soll die Wirkung 50- bis 200-mal stärker als Heroin sein, teilweise wird sogar eine Potenz ähnlich oder höher als bei Fentanyl vermutet – obwohl belastbare pharmakologische Daten noch begrenzt sind.
Gerade diese extreme Wirkstärke macht die Substanz so gefährlich: Schon winzige Mengen können schwere Vergiftungen auslösen. Typische Symptome einer Überdosierung sind verlangsamte oder aussetzende Atmung, Bewusstlosigkeit und im schlimmsten Fall Atemstillstand.
Erste Fälle in Deutschland – Warnung aus Karlsruhe
Die Arbeiterwohlfahrt (Awo) Karlsruhe hatte Alarm geschlagen, nachdem Cychlorphin in Urinproben von Patienten sowie in einer sichergestellten Flüssigkeit nachgewiesen wurde. Insgesamt wurden mehrere Konsumfälle bekannt.
Auch europäische Frühwarnsysteme registrieren ein zunehmendes Auftreten neuer synthetischer Opioide, zu denen Cychlorphin gehört. Die Substanz wurde inzwischen in mehreren EU-Ländern nachgewiesen.
Aus Großbritannien sind bereits Todesfälle im Zusammenhang mit dem Stoff gemeldet worden, was die Sorge vor einer weiteren Ausbreitung verstärkt.
Tückisch: Kaum zu erkennen, oft falsch deklariert
Besonders gefährlich ist, dass Konsumenten häufig nicht wissen, was sie tatsächlich einnehmen. Cychlorphin wurde unter anderem als farbloses E-Liquid, in gelben oder anders gefärbten Tabletten, sowie in gefälschten Medikamenten nachgewiesen.
In Freiburg kam es zu einem dramatischen Fall: Eine Person nahm eine vermeintliche Beruhigungstablette mit Alprazolam ein, tatsächlich enthielt sie jedoch das synthetische Opioid. Der Zustand verschlechterte sich so schnell, dass eine intensivmedizinische Behandlung notwendig wurde.
Geruch, Geschmack oder Aussehen geben dabei keinen verlässlichen Hinweis auf den enthaltenen Wirkstoff – Verwechslungen sind daher besonders wahrscheinlich.
Lebensgefahr schon bei minimaler Dosis
Experten betonen, dass synthetische Opioide wie Cychlorphin bereits im Mikrogramm-Bereich wirken können. Ein einzelner sogenannter „Blotter“ oder eine kleine Tablette kann ausreichen, um eine lebensbedrohliche Intoxikation auszulösen.
Besonders gefährdet sind Menschen ohne Opioid-Erfahrung, die andere Substanzen erwarten, Konsumenten gefälschter Medikamente, sowie Personen, die auf dem Schwarzmarkt nach Ersatzstoffen suchen. Als Gegenmittel kann in Notfällen Naloxon eingesetzt werden, allerdings sind bei hochpotenten Opioiden häufig mehrere Dosen nötig.
Warnsignal für Behörden und Suchthilfe
Der Fall gilt für Fachleute als Hinweis auf eine besorgniserregende Entwicklung: In Europa tauchen zunehmend neue, chemisch veränderte Opioide auf, die schwer zu erkennen sind und ein hohes Überdosis-Risiko tragen.
Gesundheitsexperten fordern daher mehr Aufklärung, Drug-Checking-Angebote sowie eine bessere Sensibilisierung von Rettungsdiensten, um Vergiftungen schneller zu erkennen und zu behandeln.
Die aktuellen Funde zeigen vor allem eines: Selbst scheinbar harmlose oder falsch deklarierte Produkte können hochgefährliche Wirkstoffe enthalten – und bereits eine einzige Einnahme kann tödlich enden.


