Hilchenbach. Ein ungewöhnlicher Zwischenfall hat im Kreis Siegen-Wittgenstein einen kompletten Windpark außer Betrieb gesetzt. Im Windpark Rothaarwind 1 bei Hilchenbach stehen derzeit alle Anlagen still – ausgelöst offenbar durch ein kleines Tier, vermutlich eine Maus. Der Schaden für den Betreiber geht nach ersten Schätzungen in den sechsstelligen Bereich.
Auslöser war ein Kurzschluss in einem Umspannwerk Mitte Januar. Nach Angaben des Netzbetreibers Westnetz hatte sich ein Kleintier Zugang zu der Anlage verschafft, einen Stromschlag erlitten und dabei erhebliche Schäden verursacht. Das Tier verendete, die Technik jedoch ebenfalls: Seitdem kann der von den Windrädern erzeugte Strom nicht mehr ins Netz eingespeist werden.
„Wir sprechen von einem Kleintier, vermutlich einer Maus. Genau lässt sich das anhand der Überreste aber nicht mehr feststellen“, erklärte Westnetz-Sprecher Henning Drees. Zwar seien in den Anlagen grundsätzlich Schutzmaßnahmen und Fallen gegen Nager installiert, doch schon eine kurz offenstehende Tür könne ausreichen, damit ein Tier eindringt. „Da muss nur jemand kurz zum Auto gehen – und schon huscht ein Nager hinein“, so Drees.
Die Folgen sind erheblich: Fünf Windenergieanlagen mit jeweils zwei Megawatt Leistung stehen seitdem still. Die Reparatur des beschädigten Umspannwerks ist aufwendig und wird nach Angaben von Westnetz voraussichtlich zwei bis drei Wochen dauern. Erst danach kann der Windpark wieder vollständig ans Netz gehen.
Für den Betreiber Günter Pulte bedeutet der Ausfall einen empfindlichen finanziellen Verlust. Er rechnet mit einem Schaden von rund 100.000 Euro, betont jedoch, dass die genaue Summe erst nach der Wiederinbetriebnahme beziffert werden könne. Immerhin: Für private Stromkunden habe der Ausfall keine spürbaren Auswirkungen, da die Versorgung anderweitig abgesichert sei.
Unklar ist bislang, wer für den entstandenen Schaden aufkommt. Grundsätzlich könne der Windparkbetreiber Schadensersatzansprüche geltend machen, so Westnetz. Ob diese greifen, müsse jedoch im Einzelfall geprüft werden. „Pauschal lässt sich nicht sagen, ob der Netzbetreiber verantwortlich ist“, erklärte Drees.
Der Vorfall zeigt, wie anfällig selbst hochgesicherte Energieinfrastruktur sein kann – und dass manchmal ein einziges kleines Tier genügt, um einen ganzen Windpark lahmzulegen.


