Barcelona. Ein extremer Wolkenbruch hat am Dienstagabend die Metropolregion Barcelona schwer getroffen und binnen kurzer Zeit für Ausnahmezustand gesorgt. Sturzfluten schossen durch Straßen, der Feierabendverkehr kollabierte, Keller und Geschäfte liefen voll. Besonders hart erwischte es Barcelona selbst sowie die nördlich angrenzende Stadt Badalona – dort fielen örtlich binnen weniger Stunden Regenmengen, die sonst in mehreren Monaten zusammenkommen.
Nach Angaben regionaler Medien und der Stadtpolizei summierten sich die Niederschläge in Barcelona und Badalona auf mehr als 100 Millimeter, in Badalona teils sogar auf über 120 Liter pro Quadratmeter. Die Folgen waren dramatisch: Bis 22 Uhr rückte die Feuerwehr zu fast 300 Einsätzen aus, während die Notrufnummer 112 bereits bis 20 Uhr mehr als 1.000 Meldungen registrierte. Der Schwerpunkt der Einsätze lag im Barcelonès, insbesondere im Norden der Metropole sowie in Badalona und Sant Adrià de Besòs.
U-Bahnstationen geflutet, Linien unterbrochen
Die Wassermassen machten auch vor der kritischen Infrastruktur nicht halt. In Badalona lief die Metrostation Gorg vollständig voll und musste umgehend geschlossen werden. Auch in Barcelona selbst kam es zu erheblichen Störungen im U-Bahn-Netz. Die Linien L1, L2 und L3 waren betroffen, Züge fuhren nur eingeschränkt oder gar nicht mehr. In sozialen Netzwerken verbreiteten sich Videos, die unter Wasser stehende Bahnsteige und Zugänge zeigten – ein Sinnbild für die Wucht des Unwetters.
Straßen unpassierbar, Verkehr im Stillstand
Auf den Ringstraßen Barcelonas kam es immer wieder zu kurzfristigen Sperrungen, da sich das Regenwasser in Senken und Unterführungen sammelte. Besonders angespannt war die Lage auf der B-20 bei Santa Coloma de Gramenet: Dort musste eine Fahrspur wegen Überflutung gesperrt werden, was kilometerlange Staus zur Folge hatte. Auch zahlreiche Kreisverkehre und Zufahrtsstraßen wurden zeitweise geschlossen, um Autofahrer vor gefährlichen Situationen zu schützen.
Stromausfälle und Schäden an öffentlichen Einrichtungen
In Badalona waren zeitweise rund 1.500 Haushalte ohne Strom. Mehrere Sportzentren stellten den Betrieb ein, und auch das Einkaufszentrum Màgic wurde von den Wassermassen getroffen und erlitt erhebliche Schäden. Zusätzlich schlug der Parc Fluvial del Besòs Alarm: Wegen drohender Überläufe wurde der Park vorsorglich gesperrt, um Besucher nicht in Gefahr zu bringen.
Notfallpläne aktiviert – vorerst keine schweren Verletzungen
Angesichts der Lage aktivierte der Zivilschutz den Notfallplan für den Barcelonès. In der Stadt Barcelona selbst wurde zusätzlich der kommunale Krisenplan hochgefahren, da die Entwässerungssysteme vielerorts an ihre Grenzen stießen. Trotz der Vielzahl an Einsätzen erklärten die Behörden am Abend, dass es nach bisherigem Stand keine schweren Unglücksfälle gegeben habe. Der Starkregen zog später weiter nach Süden und erreichte auch die Terres de l’Ebre sowie Teile der Küste von Tarragona.
Behörden mahnen zur Vorsicht
Die Einsatzkräfte appellieren eindringlich an die Bevölkerung, weiterhin vorsichtig zu bleiben. Empfohlen wird, zu Hause Fenster und Abflüsse zu kontrollieren, lose Gegenstände zu sichern sowie Keller und Tiefgaragen zu meiden. Bei eindringendem Wasser sollte der Strom abgeschaltet werden. Im Freien gilt: Unterführungen und überflutete Bereiche keinesfalls betreten oder befahren. Autofahrer sollen im Zweifel anhalten, Abstand halten und niemals versuchen, durch stehendes Wasser zu fahren.
Nach zwei Tagen mit heftigen Niederschlägen rechnen Meteorologen für den folgenden Tag mit einer Beruhigung der Lage. Sonnige Abschnitte werden erwartet, lediglich im Süden könnten noch vereinzelte Schauer auftreten. Die Aufräumarbeiten in Barcelona und Badalona dürften jedoch noch einige Zeit in Anspruch nehmen.


