Wellington. Ein massiver Erdrutsch hat in Neuseeland eine dramatische Rettungsaktion ausgelöst und die Sorge um Menschenleben wachsen lassen. Am Donnerstag gingen am Fuße des Mount Maunganui auf der Nordinsel tonnenschwere Massen aus Schlamm, Geröll und Erde nieder und trafen den beliebten Beachside Holiday Park in Maunganui. Der Campingplatz wurde teilweise verschüttet, Einsatzkräfte rückten mit Hochdruck an.
Nach Angaben von Polizeipräsident Tim Anderson werden mehrere Menschen vermisst, die Zahl liege im „einstelligen Bereich“. Medienberichten zufolge könnte sich darunter auch ein junges Mädchen befinden. Rettungskräfte suchten stundenlang nach Verschütteten, bislang jedoch ohne Erfolg. Rund drei Stunden nach dem Unglück war noch kein Überlebender geborgen worden, teilte William Pike, Einsatzleiter von Fire and Emergency NZ, mit.
Besonders dramatisch: Augenzeugen berichteten, sie hätten Stimmen aus einem teilweise zerstörten Toilettenblock gehört. Helfer versuchten daraufhin, das Dach zu entfernen, um zu den eingeschlossenen Personen zu gelangen. Doch nach etwa 15 Minuten seien die Stimmen verstummt. Kurz darauf mussten die Einsatzkräfte den Bereich räumen, da weitere Erdrutsche drohten und die Lage als zu gefährlich eingestuft wurde. Seitdem gab es keine weiteren Lebenszeichen. Die Such- und Rettungsarbeiten sollen dennoch auch über Nacht fortgesetzt werden.
Der Campingplatz wurde nach der Katastrophe vollständig geschlossen. Er gilt als einer der beliebtesten Urlaubsorte auf der Nordinsel – besonders brisant, da in Neuseeland derzeit Hochsommer ist und viele Reisende unterwegs sind.
Die Extremwetterlage forderte jedoch nicht nur dort Opfer. In der nahegelegenen Region Bay of Plenty wurde in der Nacht ein Wohnhaus von einem weiteren Erdrutsch getroffen. Zwei Bewohner konnten sich retten, zwei weitere galten zunächst als vermisst. Auch dort lief am Donnerstag eine großangelegte Rettungsaktion. Weiter nördlich, nahe Warkworth, wird zudem ein Mann vermisst, der bereits am Mittwochmorgen bei heftigen Regenfällen von Wassermassen von einer Straße gerissen worden war.
Neuseelands Premierminister Christopher Luxon zeigte sich tief besorgt und rief die Bevölkerung eindringlich dazu auf, die Warnungen der örtlichen Behörden ernst zu nehmen. Die Wetterlage bleibe extrem gefährlich, insbesondere auf der gesamten Nordinsel. „Die Regierung tut alles, was möglich ist, um die betroffenen Menschen zu unterstützen“, erklärte Luxon in sozialen Netzwerken.
Seit Tagen wird Neuseeland von schweren Regenfällen heimgesucht. Straßen sind überflutet, Hänge instabil, der Boden vielerorts völlig aufgeweicht. Die Behörden warnen vor weiteren Erdrutschen und Überschwemmungen. Für viele Regionen bleibt die Lage angespannt – und für die Rettungskräfte beginnt ein Wettlauf gegen Zeit, Wetter und Naturgewalten.


