Mega-Beben in der Türkei rückt immer näher

Istanbul. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse schüren die Sorge vor einer Erdbebenkatastrophe in der Türkei – insbesondere in der Millionenmetropole Istanbul. Türkische Experten warnen seit Jahren vor der extremen Gefährdung der Stadt, doch eine aktuelle Analyse internationaler Geoforscher verleiht diesen Warnungen nun eine neue Dringlichkeit.

Ein Forschungsteam um Patricia Martínez-Garzón vom GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung in Potsdam hat die seismische Entwicklung in der Marmararegion detailliert untersucht. Die Wissenschaftler analysierten mehrere starke Erdbeben mit Magnituden über 5, die die Region in den vergangenen 15 Jahren erschüttert haben. Allein vier dieser Beben ereigneten sich entlang der Marmara-Verwerfung – einer der aktivsten Störungszonen Europas.

Das Ergebnis der Studie ist alarmierend: Die Marmara-Verwerfung stellt nach Einschätzung der Forscher derzeit das größte seismische Risiko auf dem europäischen Kontinent dar. Besonders brisant ist die Beobachtung, dass sich die Erdbebenaktivität seit rund zwei Jahrzehnten schrittweise nach Osten verlagert – direkt in Richtung Istanbul. Die Auswertungen deuten darauf hin, dass sich die tektonische Spannung entlang der Verwerfung von Westen her zunehmend aufbaut und einzelne Beben weitere Erschütterungen auslösen könnten.

Ein genaues Datum oder die exakte Stärke eines möglichen Großbebens können die Wissenschaftler nicht vorhersagen. Klar ist jedoch: Die Wahrscheinlichkeit schwerer Erdstöße steigt, und die Intensität könnte deutlich höher ausfallen als bei bisherigen Beben. Angesichts der dichten Bebauung, maroder Bausubstanz und der enormen Bevölkerungszahl warnen Experten vor dramatischen Folgen – mit potenziell hunderttausenden Opfern.

Die Studie unterstreicht, wie dringend die Region handeln muss. Verstärkte Bauvorschriften, Nachrüstungen gefährdeter Gebäude und umfassende Katastrophenschutzpläne gelten als entscheidend, um das Ausmaß einer möglichen Katastrophe zu begrenzen. Für Istanbul tickt nach Einschätzung der Forscher die seismische Uhr – und das Zeitfenster zur Vorbereitung wird immer kleiner.

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