Ein heftiges Erdbeben hat am frühen Morgen die Millionenmetropole Neapel und ihre Umgebung erschüttert. Zahlreiche Menschen wurden kurz vor sechs Uhr morgens aus dem Schlaf gerissen. Viele Bewohner flüchteten panisch auf die Straßen, nachdem die Erde minutenlang bebte. Das Epizentrum lag in den sogenannten Phlegräische Felder – einem der gefährlichsten Vulkangebiete Europas. Experten sprechen seit Jahren von einer zunehmenden Aktivität in der Region.
Erdstöße versetzen Bewohner in Panik
Nach Angaben des italienischen Instituts für Geophysik und Vulkanologie erreichte das stärkste Beben eine Magnitude von 4,4. Die heftigsten Erschütterungen wurden um 05.51 Uhr registriert. Für viele Bewohner fühlte sich das Beben deutlich stärker an. Augenzeugen berichteten von minutenlangen Erschütterungen, wackelnden Möbeln und massiver Angst. Zahlreiche Menschen verließen ihre Wohnungen und harrten auf Straßen und Plätzen aus. Einige Anwohner sprachen von einem der beängstigendsten Beben der vergangenen Jahre.
Zentrum im Gebiet des Supervulkans
Das Epizentrum lag nach offiziellen Angaben im Meeresgebiet zwischen den Vororten Pozzuoli und Bacoli – mitten in den Phlegräischen Feldern, einem hochaktiven vulkanischen Gebiet westlich von Neapel. Die sogenannte Caldera gilt als Supervulkan. Experten warnen seit langem vor möglichen stärkeren Erdbeben oder vulkanischen Aktivitäten in der Region. Die Phlegräischen Felder werden seit Jahren von einer Serie kleinerer und mittlerer Beben erschüttert. Bereits vor einem Jahr wurde dort ein Beben der Stärke 4,6 registriert – das stärkste seit Jahrzehnten.
Schulen geschlossen und Bahnverkehr gestört
Obwohl zunächst keine größeren Schäden gemeldet wurden, kam es in der Region zu erheblichen Einschränkungen. Mehrere Schulen blieben vorsorglich geschlossen. Auch der Berufsverkehr wurde massiv beeinträchtigt. Zahlreiche Zugverbindungen im Nahverkehr fielen aus, weil Bahnstrecken aus Sicherheitsgründen überprüft werden mussten. An mehreren Gebäuden entstanden neue Risse. Zudem stürzte an einem Aussichtspunkt über der Bucht von Neapel ein Torbogen teilweise ein.
Millionenregion lebt mit permanenter Gefahr
In Neapel und dem umliegenden Ballungsraum leben rund drei Millionen Menschen. Die Region zählt damit zu den dicht besiedelten Vulkan- und Erdbebengebieten Europas. Zusätzlich liegt die Stadt am Fuß des Vesuv, der jedoch geologisch nicht direkt mit den Phlegräischen Feldern verbunden ist. Dennoch wächst in der Bevölkerung die Sorge vor einer möglichen größeren Katastrophe. Experten betonen zwar, dass sich Zeitpunkt und Stärke möglicher schwerer Beben nicht vorhersagen lassen – die anhaltende Aktivität bleibt jedoch ein ernstes Warnsignal.
Behörden beobachten Lage genau
Die italienischen Behörden überwachen die vulkanische Aktivität rund um die Uhr. Messstationen registrieren kontinuierlich Bodenhebungen, Gasemissionen und seismische Bewegungen. Das aktuelle Beben zeigt erneut, wie angespannt die Lage in der Region bleibt. Viele Bewohner fürchten, dass die jüngsten Erschütterungen Vorboten einer stärkeren geologischen Aktivität sein könnten.


