Hamburg. Nach einer Großdemonstration gegen das iranische Regime ist es am Samstagnachmittag in der Hamburger Innenstadt zu einer schweren Gewalttat gekommen. Am Jungfernstieg, in unmittelbarer Nähe des Alsterhauses, wurden zwei Männer durch Messerstiche verletzt. Einer der Verletzten befindet sich nach Angaben von Feuerwehr und Medienberichten in akuter Lebensgefahr.
Der Angriff ereignete sich gegen 17.13 Uhr, kurz nachdem die zuvor beendete Kundgebung aufgelöst worden war. Rettungskräfte versorgten die Opfer zunächst vor Ort und brachten sie anschließend in Krankenhäuser. Ein Mann erlitt eine Stichverletzung am Bein, dem zweiten wurde in den Rücken gestochen. Die Polizei nahm drei Tatverdächtige fest.
Ob die Verletzten Teilnehmer der Demonstration waren oder in einem anderen Zusammenhang angegriffen wurden, ist derzeit noch unklar. Ein Polizeisprecher erklärte, dass die Hintergründe der Tat sowie mögliche politische oder persönliche Motive Gegenstand laufender Ermittlungen seien.
Zuvor hatten mehrere tausend Menschen in Hamburg gegen die Islamische Republik Iran demonstriert. Die Versammlung stand unter dem Motto „Nein zur Islamischen Republik Iran“ und wurde nach Angaben der Polizei von der Constitutionalist Party of Iran organisiert. Die Gruppierung setzt sich für eine konstitutionelle Monarchie ein und sieht in Reza Pahlavi, dem Sohn des letzten iranischen Schahs, eine zentrale Führungsfigur der Opposition.
Während des Demonstrationszugs zeigten Teilnehmer iranische Flaggen mit dem historischen Löwensymbol aus der Schah-Zeit. Transparente mit Parolen wie „Make Iran great again“ waren ebenso zu sehen wie provokante Bildmontagen, die den obersten Führer Irans, Ajatollah Ali Chamenei, mit Adolf Hitler verglichen. Viele Demonstrierende, darunter zahlreiche Frauen, forderten offen das Ende des islamistischen Systems im Iran.
Hintergrund der Proteste ist die dramatische wirtschaftliche Lage im Iran. Eine massive Inflation und der Verfall der Landeswährung hatten Ende Dezember landesweite Demonstrationen ausgelöst. Das Regime reagierte mit harter Gewalt. Menschenrechtsorganisationen berichten von mindestens 3400 getöteten Demonstranten, gehen jedoch von einer deutlich höheren Dunkelziffer aus.
Der Messerangriff überschattet nun die Hamburger Kundgebung und wirft Fragen nach der Sicherheit bei politisch aufgeladenen Demonstrationen auf. Die Polizei hat die Ermittlungen ausgeweitet und prüft alle denkbaren Zusammenhänge.


