Erkrath. Ein mutmaßlich linksextremistisch motivierter Anschlag auf die Stromversorgung im Raum Düsseldorf ist nur knapp gescheitert. Unbekannte Täter hatten ein Umspannwerk im nordrhein-westfälischen Erkrath ins Visier genommen und dort einen Brandsatz deponiert. Der Angriff blieb jedoch ohne Wirkung – entdeckt wurde er erst Tage oder sogar Wochen später.
Wie die Staatsanwaltschaft mitteilte, bekannte sich die Gruppe „Kommando Angry Birds“ auf der linksextremen Plattform Indymedia zu der Tat. Erst dieses Bekennerschreiben, das am Montag veröffentlicht wurde, brachte die Ermittler auf die Spur des Anschlags. Bei einer anschließenden Überprüfung des Umspannwerks bestätigte sich der Verdacht: Die Polizei fand tatsächlich einen Brandsatz auf dem Gelände.
Nach Angaben von Oberstaatsanwalt Wolf-Tilman Baumert handelt es sich um einen gezielten Sabotageakt gegen kritische Infrastruktur. Aus dem Schreiben der Täter geht hervor, dass der Anschlag bereits vor längerer Zeit verübt worden sein dürfte – offenbar in den wärmeren Monaten. Man habe bewusst vermeiden wollen, Menschen durch einen Stromausfall in der kalten Jahreszeit zu gefährden, heißt es darin. Ziel sei zudem ein Industriegebiet gewesen.
Radikales Motiv, bekannte Täterstruktur
Als Begründung nennen die Verfasser eine angebliche Überlastung der Bevölkerung durch Umweltgifte. „Unsere Grenzen sind überschritten“, schreiben sie und rechtfertigen damit die Tat. Die Gruppe „Kommando Angry Birds“ ist den Sicherheitsbehörden nicht unbekannt: Bereits Ende Juli hatte sie sich zu einem Anschlag auf eine zentrale Bahnstrecke zwischen Düsseldorf und Duisburg bekannt.
Der Vorfall reiht sich in eine Serie jüngerer Angriffe auf Energie- und Verkehrsinfrastruktur ein. Erst vor wenigen Tagen hatte ein Brandanschlag auf eine Kabelbrücke in Berlin zu einem großflächigen und tagelangen Stromausfall im Südwesten der Hauptstadt geführt. Auch dort gehen die Ermittler von einem linksextremistischen Hintergrund aus.
Sicherheitsbehörden alarmiert
Die Häufung solcher Taten sorgt bei Ermittlern und Politikern für wachsende Besorgnis. Kritische Infrastruktur gilt als besonders verwundbar – und als attraktives Ziel für extremistische Gruppen, die mit vergleichsweise einfachen Mitteln maximale Wirkung erzielen wollen. Dass der Anschlag in Erkrath unbemerkt blieb und nur durch ein Bekennerschreiben aufflog, wirft zudem Fragen zur Sicherung sensibler Anlagen auf.
Die Ermittlungen laufen, Hinweise auf konkrete Tatverdächtige gibt es bislang nicht. Klar ist jedoch: Der gescheiterte Anschlag bei Düsseldorf zeigt erneut, wie real die Bedrohung für Energieversorgung und öffentliche Sicherheit geworden ist.


