Riesiger Erdrutsch nach Unwetter auf Sizilien

Ein massiver Erdrutsch hat die sizilianische Stadt Niscemi erschüttert und eine ganze Region in den Ausnahmezustand versetzt. Auf einer Länge von rund vier Kilometern ist der Boden abgesackt – unmittelbar vor Wohnhäusern, Straßen und Infrastruktur. Mehr als 1.500 Menschen mussten ihre Häuser verlassen, ganze Viertel gelten inzwischen als unbewohnbar.

Niscemi, eine Stadt mit rund 25.000 bis 30.000 Einwohnern im Süden Siziliens, wurde besonders hart getroffen. Nach Angaben der italienischen Nachrichtenagentur Ansa räumten die Behörden komplette Nachbarschaften. Für die Evakuierten wurde in einer Turnhalle eine Notunterkunft eingerichtet. Regionale und nationale Rettungskräfte sind seit Tagen im Dauereinsatz.

Die Lage bleibt hochgefährlich. Italiens Minister für Zivilschutz, Nello Musumeci, erklärte, dass sämtliche Gebäude im Umkreis von bis zu 70 Metern entlang der Erdrutschlinie akut einsturzgefährdet seien. Fabio Ciciliano, Chef des italienischen Zivilschutzes, warnte, dass der Erdrutsch keineswegs abgeschlossen sei. Im Gegenteil: Die Front breite sich weiter aus.

Bürgermeister Massimiliano Conti sprach von einem „unermesslichen Schaden“. Inzwischen sei ein ganzer Stadtteil von den Erdbewegungen verschluckt worden. In einer Live-Übertragung auf Facebook bestätigte Conti, dass die sogenannte rote Zone deutlich ausgeweitet wurde – inzwischen auf bis zu 150 Meter Abstand von der Abrisskante. „Das ist eine Tragödie, die uns alle betrifft“, sagte der Bürgermeister, appellierte aber zugleich an die Bevölkerung, Ruhe zu bewahren.

Geologen zeichnen ein düsteres Bild. Giuseppe Caruso erklärte gegenüber dem „Corriere della Sera“, dass der Untergrund in der Region geologisch jung, sandig und extrem instabil sei. Der Boden sei durchlässig, Wasser könne leicht eindringen, während darunterliegende Tonschichten die Entwässerung erschwerten. „Dieses Gelände ist ständig in Bewegung“, so Caruso. Die jüngsten Unwetter hätten den Prozess möglicherweise beschleunigt, ausgelöst worden sei der Erdrutsch jedoch wohl schon zuvor. Besonders alarmierend sei, dass sich die Abbruchkante weiter ausdehne.

Auch der sizilianische Zivilschutz schlägt Alarm. Salvo Cocina warnte im Sender Rai, dass alle Häuser im Umkreis von 50 bis 70 Metern unweigerlich einstürzen könnten. Es handele sich um einen außergewöhnlich großen Erdrutsch mit zwei Hauptbruchlinien, die sich über vier Kilometer erstrecken. Entstanden seien senkrechte Abbruchwände von bis zu 55 Metern Höhe. Das Umland von Niscemi ist inzwischen teilweise von der Außenwelt abgeschnitten, zwei der vier Zufahrtsstraßen sind nicht mehr passierbar.

Als wahrscheinlicher Auslöser gilt der Zyklon „Harry“, der in der vergangenen Woche Süditalien mit extremen Regenfällen und Sturmböen überzogen hat. In Kombination mit der ohnehin instabilen Geologie führte das zu massiven Schäden. Allein auf Sizilien beziffern die Behörden die Schadenssumme auf rund 1,5 Milliarden Euro. In Kalabrien werden Schäden von etwa 300 Millionen Euro gemeldet, in Sardinien von rund 200 Millionen.

Doch nicht nur Italien leidet unter den Folgen der Unwetter. Auch Griechenland, Portugal und Spanien wurden von heftigen Regenfällen getroffen. In Griechenland kam es zu schweren Überschwemmungen, selbst in Athen starb ein Mensch. Laut der Zeitung „Ta Nea“ dauern die Überflutungen in mehreren Regionen weiterhin an.

Der Erdrutsch von Niscemi macht einmal mehr deutlich, wie verwundbar ganze Städte gegenüber extremen Wetterereignissen sind – und wie schnell aus Starkregen eine existenzielle Bedrohung werden kann.

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