Italien erlebt derzeit eine der heftigsten Grippewellen der vergangenen Jahre. Innerhalb nur einer Woche wurden landesweit mehr als 800.000 neue Influenza-Fälle registriert. Die Krankenhäuser geraten zunehmend an ihre Belastungsgrenze, insbesondere die Notaufnahmen. Patientinnen und Patienten warten vielerorts stundenlang auf Tragen in überfüllten Fluren, während das medizinische Personal versucht, den Ansturm zu bewältigen. Haupttreiber der aktuellen Welle ist die sogenannte Influenza K, eine aggressive Variante des H3N2-Virus.
Nach Angaben der italienischen Gesellschaft für Notfallmedizin nehmen die Einweisungen in den Notaufnahmen drastisch zu, vor allem bei älteren und chronisch kranken Menschen. Die Kliniken waren bereits seit Jahresbeginn stark ausgelastet, doch die aktuelle Entwicklung verschärft die Lage weiter. Besonders problematisch ist das sogenannte Boarding, bei dem Patientinnen und Patienten mangels freier Betten über längere Zeit direkt auf Tragen in den Notaufnahmen verbleiben. Jeder zusätzliche Boarding-Fall verlängert die Wartezeiten erheblich und bringt den Ablauf in den Notaufnahmen weiter ins Stocken.
Mediziner schlagen vor allem wegen der Eigenschaften der Influenza-K-Variante Alarm. Im Vergleich zu herkömmlichen Grippeverläufen sind die Nachwirkungen deutlich langwieriger. Während klassische Influenzasymptome meist nach wenigen Tagen abklingen, berichten Ärzte nun von anhaltendem Husten, extremer Erschöpfung und Leistungseinbußen über mehrere Wochen hinweg. Fachleute führen dies auf die besondere Aggressivität des Virus zurück, das den Körper stärker und nachhaltiger belastet.
Zwar ähneln die akuten Symptome zunächst einer gewöhnlichen Grippe mit hohem Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Schüttelfrost, doch der Verlauf ist häufig komplizierter. Italienische Kliniken melden derzeit ungewöhnlich viele Fälle von Lungenentzündungen, die nicht nur ältere Menschen treffen, sondern zunehmend auch jüngere Patientinnen und Patienten. Infektiologen warnen, dass vor allem Atemnot, starker Husten und ausgeprägte Brustschmerzen ernst zu nehmen seien. Diese Symptome gelten als klare Warnsignale und sollten umgehend medizinisch abgeklärt werden.
Führende Experten hatten bereits im Dezember vor einer massiven Grippewelle gewarnt und die Entwicklung mit einem Tsunami verglichen, der nahezu alle Länder erfasst. Der erwartete Höhepunkt wurde für die zweite Januarhälfte prognostiziert. Ob dieser inzwischen erreicht ist, bleibt offen. Seit Beginn der aktuellen Saison haben sich in Italien nach offiziellen Daten bereits rund 7,5 Millionen Menschen infiziert. Mit dem Ende der Weihnachtsferien und der Rückkehr in Schulen und Betriebe rechnen Fachleute sogar mit einem erneuten Anstieg der Fallzahlen.
Die Auswirkungen der Influenza-K-Welle beschränken sich nicht auf Italien. Auch in Deutschland steigen die Infektionszahlen deutlich an, es wurden bereits Todesfälle gemeldet. Experten sehen darin ein weiteres Warnsignal und raten dringend zur Grippeschutzimpfung, um schwere Verläufe zu verhindern und die Gesundheitssysteme zu entlasten. Die aktuelle Situation zeigt, wie schnell eine aggressive Virusvariante die medizinische Versorgung an ihre Grenzen bringen kann.


