Nipah-Virus in Indien ausgebrochen

In Indien wächst die Sorge vor einem erneuten Ausbruch des hochgefährlichen Nipah-Virus. In der ostindischen Region Westbengalen haben sich nach Angaben der Behörden mindestens fünf Menschen infiziert. Besonders alarmierend: Unter den Erkrankten befinden sich zwei Krankenschwestern aus der Stadt Barasat, die Anfang Januar gemeinsam Dienst hatten und dabei offenbar Patienten mit entsprechenden Symptomen behandelten. Eine der beiden Frauen liegt inzwischen im Koma.

Nach ersten Erkenntnissen könnten sich die Pflegekräfte bei einem Patienten angesteckt haben, der kurze Zeit später verstarb. Eine Bestätigung durch einen Labortest liegt jedoch nicht vor, da der Mann vor seinem Tod nicht auf das Virus untersucht wurde. Die Behörden gehen dennoch von einem Zusammenhang aus und haben umgehend umfangreiche Schutzmaßnahmen eingeleitet.

Mehr als 180 Kontaktpersonen der Infizierten wurden vorsorglich getestet, 20 von ihnen befinden sich derzeit in Quarantäne. Nach Angaben eines regionalen Gesundheitsvertreters seien bislang alle Testergebnisse negativ ausgefallen, zudem zeige keiner der Isolierten Symptome. Vor Ablauf der 21-tägigen Quarantäne sollen jedoch weitere Tests folgen, um mögliche Spätinfektionen auszuschließen.

Das Nipah-Virus zählt zu den gefährlichsten bekannten Erregern. Es kann über die Atemwege übertragen werden, verursacht schwere neurologische Erkrankungen wie Hirnentzündungen und weist eine extrem hohe Sterblichkeitsrate auf. Je nach Ausbruchsgeschehen sterben bis zu 75 Prozent der Infizierten. Eine spezifische Therapie oder ein zugelassener Impfstoff existieren bislang nicht. Die Weltgesundheitsorganisation stuft Nipah daher als Hochrisiko-Pathogen ein.

Internationale Aufmerksamkeit erhält das Virus auch, weil es als Vorlage für den Hollywood-Film „Contagion“ diente, der während der Corona-Pandemie erneut große Popularität erlangte. Die Parallelen zu realen Pandemieszenarien schüren nun zusätzliche Ängste – nicht nur in Indien.

Als Hauptübertragungsweg gilt der Kontakt mit Fledermäusen, insbesondere über mit Speichel oder Urin verunreinigte Früchte, Palmsaft oder andere Lebensmittel. Nach der ersten Infektion kann sich das Virus jedoch auch direkt von Mensch zu Mensch ausbreiten, vor allem in medizinischen Einrichtungen. Mehrere Länder in der Region reagieren bereits: Thailand hat Einreisekontrollen für Reisende aus Indien verschärft und untersucht Ankommende auf mögliche Symptome.

Auch internationale Gesundheitsbehörden mahnen zur Vorsicht. Bei früheren Nipah-Ausbrüchen riet das Robert Koch-Institut Reisenden, den Kontakt zu Krankenhäusern in betroffenen Regionen zu meiden und auf potenziell kontaminierte Lebensmittel zu verzichten. Ob es gelingt, den aktuellen Ausbruch rasch einzudämmen, wird entscheidend davon abhängen, wie schnell Infektionsketten unterbrochen werden können.

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