Niederlande: Schüler lernen Drohnenfliegen

Die Niederlande treiben den Aufbau einer eigenen Drohnenkompetenz mit hohem Tempo voran und setzen dabei ungewöhnlich früh an. Künftig sollen bereits Schülerinnen und Schüler systematisch im Umgang mit Drohnen ausgebildet werden. Parallel intensiviert auch das Militär seine Programme. Ziel ist nichts weniger als eine führende Rolle Europas in der Drohnen- und Anti-Drohnen-Technologie.

Ab September 2026 startet an niederländischen weiterführenden Schulen erstmals eine staatlich anerkannte Ausbildung zum Drohnenpiloten. Unter der Bezeichnung „Drone Operations Specialist“ gehen zunächst acht Programme an den Start, die schrittweise auf weitere Schulen ausgeweitet werden sollen. Die Ausbildung dauert drei Jahre und verbindet theoretische Grundlagen mit umfangreicher Praxis. Die Jugendlichen lernen, Drohnenmissionen zu planen, durchzuführen und auszuwerten. Dazu gehören Wartungs- und Inspektionsflüge etwa an Brücken oder Windkraftanlagen, Kameraeinsätze, Überwachungsaufgaben sowie sicherheitsrelevante Kontrollflüge.

Das neue Berufsbild wurde im August 2025 offiziell von der Regierung in Den Haag anerkannt. Das Interesse ist bereits jetzt enorm. Nur einen Tag nach der öffentlichen Bekanntgabe lagen laut Berichten dutzende Anmeldungen vor. Der große Zuspruch spiegelt die wachsenden Chancen auf dem Arbeitsmarkt wider. Fachleute erwarten, dass der Bedarf an qualifizierten Drohnenpiloten in den kommenden Jahren stark steigen wird.

Parallel dazu baut auch das niederländische Militär seine Kapazitäten massiv aus. Verteidigungsminister Ruben Brekelmans formulierte den Anspruch klar: Die Niederlande wollen eine Spitzenposition bei Drohnen- und Abwehrsystemen einnehmen. In der Armee werden bereits eigene Fachkräfte ausgebildet, die neben Flugpraxis auch Kenntnisse in Meteorologie, Elektrotechnik, Risikomanagement und Einsatzplanung erwerben. Zum Ausbildungsprogramm gehören zudem Flüge mit schweren und experimentellen Drohnen. Die Ausbildung ist so angelegt, dass sie den Übergang in ein späteres technisches oder wissenschaftliches Studium ermöglicht.

Der wirtschaftliche Hintergrund ist ebenso ambitioniert. Schon 2024 wurde der Umsatz des Drohnenmarktes in den Niederlanden auf rund 300 Millionen Euro geschätzt. Prognosen gehen davon aus, dass er bis 2033 auf bis zu 800 Millionen Euro anwachsen könnte. Besonders im Logistikbereich sehen Experten großes Potenzial. Mit internationalen Knotenpunkten wie dem Hafen von Rotterdam und dem Flughafen Amsterdam Schiphol bieten sich neue Einsatzfelder für Liefer-, Überwachungs- und Sicherheitslösungen aus der Luft.

Zusätzlichen Schub erhielt die Entwicklung durch den Krieg in der Ukraine, der die militärische Bedeutung von Drohnen deutlich gemacht hat. Gleichzeitig wächst auch auf europäischer Ebene der politische Wille, eigene Drohnenkapazitäten auszubauen. In Den Haag wird daher bereits geprüft, ob Absolventen der neuen Ausbildung perspektivisch sogar eine Jobgarantie beim Militär erhalten könnten.

Die Niederlande setzen damit frühzeitig auf Nachwuchs, Technologie und Marktpotenzial zugleich. Was heute noch Schulunterricht ist, soll morgen ein strategischer Vorteil in Wirtschaft, Sicherheit und Verteidigung werden.

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