Massenproteste im Iran gegen Mullah-Regime

Teheran. Die Proteste im Iran erreichen eine neue Eskalationsstufe. Zum zwölften Abend in Folge gehen landesweit zehntausende Menschen gegen die islamistische Führung auf die Straße. Augenzeugenberichte, Videos aus dem Land und Angaben von Menschenrechtsorganisationen zeichnen ein Bild massiver Gewalt: Mindestens 45 Demonstranten sollen bereits getötet worden sein, darunter mehrere Minderjährige. Die Führung in Teheran reagiert mit immer härteren Repressionsmaßnahmen.

Allein in der Hauptstadt Teheran strömten am Donnerstagabend tausende Menschen auf die Straßen. Sie skandierten Parolen wie „Tod der Islamischen Republik“ und „Tod dem Diktator“. Sicherheitskräfte gingen mit großer Brutalität gegen die Demonstrierenden vor. Ziel der Machthaber ist offenkundig, die Protestbewegung mit Einschüchterung und Gewalt zu ersticken.

Ein zentrales Mittel der Repression ist erneut die digitale Abschottung. Die Organisation NetBlocks meldete einen nahezu vollständigen landesweiten Internet-Blackout. Kommunikation, Koordination und die Verbreitung von Informationen sollen damit unterbunden werden. Die iranischstämmige Schauspielerin und Aktivistin Nazanin Boniadi erklärte, der Internet-Ausfall diene dazu, die Proteste im Inneren zu lähmen und staatliche Gewalt vor der internationalen Öffentlichkeit zu verbergen.

Trotzdem breiten sich die Demonstrationen weiter aus. Neben Teheran kam es auch in Täbris im Norden des Landes sowie im religiösen Machtzentrum Maschhad zu Massenkundgebungen. Beobachter sprechen von Protesten in mindestens 50 Städten und Ortschaften, vor allem im Westen des Iran. Was als Aufbegehren gegen explodierende Preise und bittere Armut begann, hat sich zu einer landesweiten Revolte entwickelt.

Der Unmut richtet sich gegen ein System, das Milliarden in das Atomprogramm und die Unterstützung islamistischer Milizen investiert, während große Teile der Bevölkerung verarmen. Zugleich stützen Geheimdienste, Revolutionsgarden und paramilitärische Einheiten die Macht der Mullahs mit systematischer Unterdrückung.

Internationale Stimmen erhöhen den Druck. Reza Pahlavi, Sohn des 1979 gestürzten Schahs, rief die Iraner erneut zum Durchhalten auf und warnte die Führung in Teheran vor weiterer Gewalt. Auch US-Präsident Donald Trump drohte dem Regime offen mit Konsequenzen, sollte auf Demonstranten geschossen werden. Die Welt beobachte genau, was im Iran geschehe, hieß es aus Washington.

Während die iranischen Behörden von deutlich niedrigeren Opferzahlen sprechen und auch getötete Sicherheitskräfte nennen, gehen Menschenrechtsorganisationen von einer erheblich höheren Zahl ziviler Opfer aus. Der israelische Iran-Experte Raz Zimmt erklärte, der Zusammenbruch des Regimes scheine näher als je zuvor – entscheidend sei nun, ob die Machtzirkel selbst den Glauben an die Überlebensfähigkeit des Systems verlieren.

Die Lage bleibt hochgradig explosiv. Trotz Gewalt, Zensur und Abschottung wächst der Widerstand – und mit ihm die Frage, wie lange das Regime den Druck noch kontrollieren kann.

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